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Home : buecher : bessel : ibizadrauf.html

Wolfgang M. A. Bessel:
Püttmann auf Ibiza drauf


Leseprobe


Autor: Wolfgang M. A. Bessel
Titel: Püttmann auf Ibiza drauf



Vorwort

Einfache Menschen sind oft viel näher an der Wahrheit, bleiben meist auf dem Teppich, blicken durch und sprechen Klartext.

Williken Püttmann und seine liebenswerte Berta aus dem Ruhrpott erleben auf Ibiza äußerst lebensnahe Geschichten.

Unsere Helden werden Sie mit viel Gefühl, Witz und Verstand unterhalten, Ihre Lachmuskeln anregen und Ihre Herzen berühren.

Wenn sich der moderate Ruhrpott-Slang Ihnen nicht sofort erschließt, lesen Sie laut.

Auch Ihre Freunde und Nachbarn werden sich dann kugeln.

Viel Spaß, gute Unterhaltung und ein wenig Zeit zum Schmunzeln wünscht Ihnen

Wolfgang M. A. Bessel

Kalles Wohnung auf Ibiza
Schon lange waren wir die verdammte Strunzerei in unserer Stammkneipe "Glück Auf" satt.
Ja, sein erfüllter Traum, sein Glück, sein Jungbrunnen, die beste Lebensentscheidung, die er noch nie bereut hätte, dat wäre seine tolle Eigentumswohnung direkt am blauen Meer, auf der weißen Insel Ibiza. So ging dat jeden Skatabend mit dem dusseligen Gequatsche!
Ich sach: "Kalle, wir können dat nich mehr hören mit deinem Ibiza-Strunz! Wie wär dat denn, wenne uns deinen Jungbrunnen auch mal zeigen täts? Wir haben ne volle Skatkasse und könnten doch da mal für eine Woche ne tolle Sause veranstalten."
Total begeistert kloppten die Skatbrüder auf'n Tisch und heckten schon die abenteuerlichsten Pläne aus.
Ja Junge, da hatt ich aber wat zum Kalle gesacht! Ganz entrüstet und mit erhobenem Finger raunzte er uns an: "Dat kommt überhaupt nich in Frage! Radaubrüder und Saufkumpanen dulde ich und meine Frau dort niemals! Nix da! Die Wohnung iss bei euren Exzessen für immer und ewig entweiht! Ich kenne euch schließlich lange genug! Schlagt euch dat ma ganz schnell aus dem Kopp! Wilhelm, wie kommst du bloß auf so eine abwegige Idee?"
Wir hatten unser Fett weg! Sonne fiese Reaktion vom eigenen Skatbruder hätten wir ja im Traum nich erwartet. Wir kuckten bedröppelt ausse Wäsche und sachten kein Mucks mehr dazu, weil wir den Blödmann ja genau kannten.
In der Pinkelpause haute ich den Kalle noch ma so an, wie dat denn wär, wenn ich mit meinem Bertaken ma drei Wochen dort Urlaub machen wollte, ob er da ma sonne Ausnahme zulassen würde.
Er gab keine Antwort; et streifte mich nur son abschätziger Blick, den ich nicht deuten wollte, sonst hätt et gerappelt!
Vier Wochen hörte ich nix vom Kalle, wollte gerade wieder Mallorca, "Allet inklusive", buchen, da sacht der Kalle beim Skat so ganz nebenbei: "Also, Wilhelm, meine Frau und ich haben lange überlegt. Für einundzwanzig Tage wollen wir euch beiden doch mal die wunderbare Insel des Lichts gönnen. Du biss ein tüchtiger Klempnermeister und weißt, wie man sich in anderer Leute Wohnungen verhält. Natürlich vermieten wir unsere Traumwohnung gerne an euch, aber nur gegen ein geringet Entgelt von hundert Euro pro Tag."
Ibiza sei ein verdammt teuret Pflaster, bla, bla, bla ..., er würde damit lediglich die eigenen Kosten decken.
Dat war ein starkes Stück, eine Frechheit! Ich fühlte mich mehr als unbehaglich. Alle Skat- und Kneipenbrüder starrten mich erwartungsvoll an, eher son bissken mitleidig.
Ich saß wie versteinert da, ich wusste, der Kalle tat mich mit dem unverschämten Mietpreis schwer beim Bock.
Et gab keinen Weg zurück, die Blamage in der Kneipe wäre unerträglich gewesen!
Ich dachte: "Der verdammte Halsabschneider! Hundert Euro am Tag! Davon darf Berta keinesfalls Wind bekommen."
Ich antwortete dem Kalle ganz ruhig, aber für alle Leute inne Kneipe gut hörbar: "Kalle, du biss ja so ein aufrichtiger Skatbruder, ein liebenswerter Freund noch dazu. Ich danke dir auch im Namen von Bertaken für deine gütige Entscheidung. Wirt, tu uns ma ne Runde Langen und Kurzen rein!"
Ich war überzeugt, Bertaken würde wegen meiner spontanen Entscheidung und der neuen Urlaubsidee Freudentränen weinen und mir dankbar in die Arme fallen. Beim Frühstück rückte ich mit der großen Urlaubs-Überraschung raus.
Aber Berta musste wohl mit dem falschen Fuß aus dem Bett gesprungen sein. Sie haute ihren Kaffeepott demonstrativ auf'n Tisch und giftete mich an: "Sach ma, Wilhelm, du hasse doch nich mehr alle im Stall, auf ne Insel, wo nur Haschbrüder, Homos, Tunten und Nackte rumlaufen, da soll ich mit dir hin? Im Leben nich, und du fährs mir da alleine auch nich hin! Wie kannze mir nur sowat zumuten?"
"Bertalein", säuselte ich, "der Kalle iss doch auch nich son Hasch- und Tuntenbruder. Die Insel des Lichts iss noch viel schöner als dat Mallorca, glaub mir dat doch! Dat Fernsehen zeigt immer nur die tiefsten menschlichen Abgründe von Ibiza. Dat Schöne vonne Natur und vonne Insulaner krisse da nie zu sehen!
Weiße warum? Die Kerle wollen damit nur die Pauschaltouristen abschrecken! Berta, iss doch klar wie Klärchen. Die Herrschaften wollen für sich bleiben, ohne den Massentourismus! Dat sind nämlich allet so seltene Individien. Dat iss der einzige Grund von den schrägen Fernsehheinis, die haben ihre feinen Villas da und wollen unbedingt son "Ballermann 6" vor ihrer Tür verhindern! Wat meinze wohl, auf Ibiza leben nur berühmte Künstler, vornehme Althippies, Fischer, Bauern und andere Naturliebhaber."
"Iss dat auch wirklich wahr, Willi?"
"Ja, Berta, dat iss die reine Wahrheit, der Kalle lügt doch nich! Außerdem überlässt er uns die Wohnung fast uneigennützig, nur für son ganz kleinen Unkostenbeitrag!"
"Ja, wenn dat so iss, dann hasse dat ausnahmsweise ma richtig entschieden. Eigentlich wollte ich immer schon ma ne andere Urlaubsecke kennen lernen."
Ja, Junge, dat war wieder ma harte Überzeugungsarbeit!

Berta begann dann auch sofort mit dem Kofferpacken. Sie brauchte dazu ungelogen fast fünf Stunden!
In den folgenden Tagen wiederholte sich diese Prozedur noch mindestens vier Mal, weil sie immer abartigere Fummel und Klunker kaufte, die mich sehr stark an die Blumenkinderzeiten erinnerten. So iss dat Berta eben.
Ich sachte nix dazu, weil et sonst wieder Russ inne Küche gegeben hätte und die Reise stark gefährdet gewesen wär. Man(n) kennt dat ja.
Völlig entnervt vom ganzen Vorbereitungsgedöns und der elenden Packerei, konnten wir et nun kaum mehr erwarten, die Insel des Lichts, des Glücks und der Vollkommenheit inne Augen zu nehmen.

Autor
Wolfgang M. A. Bessel

Bezugsquellen: Direkt beim Autor (auf Wunsch mit Widmung): wolfgang@bessel-autor.info        oder bei allen Internet- und örtlichen Buchhandlungen.



Püttmanns ehrliche Grabreden. Verrückte Grabgeschichten 

 


Achtung! Treiber Püttmann kommt. Willikens wechselhafter Weg zum Jägersein 

 

Lesen Sie auch: Eine starke Frau in Namibia 

Wolfgang M. A. Bessel
D-42855 Remscheid

www.bessel-autor.info
wolfgang@bessel-autor.info


Vielen Dank für die freundliche und reibungslose Zusammenarbeit.
Holger Schumacher


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