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„Attila und die Hunnen“ – die Ausstellung
17. Juni 2007 bis 6. Januar 2008
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Für die einen barbarische Wilde, für die anderen gerechte, ruhmreiche Krieger: Bis heute schrecken und faszinieren die Hunnen gleichermaßen. Aus den Tiefen der Steppe drangen die geheimnisvollen Reiterkrieger im späten 4. Jahrhundert nach Europa vor und trieben ganze Völker vor sich her. Ihr König war Attila (ca. 395-453), die „Geißel Gottes“. Er lebte für einige Jahre als Geisel am römischen Kaiserhof in Ravenna, schlug sich zeitweilig als Verbündeter auf die Seite Roms, beseitigte gewaltsam seinen eigenen Bruder Bleda und avancierte zum Alleinherrscher der Hunnen – der damals größten Bedrohung des Römischen Reiches. |
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Attila-Medaille Venezianische Prägung anlässlich des tausendjährigen Jahrestages der Zerstörung Aquileias durch die Hunnen (452). Messing, 15. Jh. © Chisinău, Nationalmuseum für Archäologie und Geschichte Moldaus
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Rekonstruktion eines Reflexbogens Gegenüber dem herkömmlichen Bogen verfügt der Reflexbogen, die Angriffswaffe der reiternomadischen Truppen, über besonders große Durchschlagskraft. © Mainz, Römisch-Germanisches Zentralmuseum, Foto: René Müller
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Zerbrochener Nomadenspiegel Wahrscheinlich hängt die Sitte des Spiegelzerschlagens mit den Jenseitsvorstellungen der Reiternomaden und ihrem Bestattungsbrauch zusammen: Der Spiegel hat mit dem Tod seines Besitzers seine Funktion verloren und muss nun das gleiche Schicksal erleiden wie sein Besitzer. Bronze, 3. - 5. Jh. © Mainz, Römisch-Germanisches Zentralmuseum, Foto: René Müller
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Diadem von Csorna, Ungarn Aus Goldblech und farbigen Steineinlagen gearbeitetes Diadem, 1. Hälfte 5. Jahrhundert. Diademe wurden von vornehmen hunnischen Frauen getragen und auf dem Stirnteil eines Kopftuches aus Leder oder Textil befestigt. © Ungarisches Nationalmuseum, Budapest |
© Historisches Museum der Pfalz Speyer, Foto: Peter Haag-Kirchner Schädelrekonstruktion und Atelierfoto Rekonstruktion einer hunnischen Frau im Erwachsenenalter mit künstlicher Schädeldeformation. |
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Marcel Nyffenegger Nyffenegger im Atelier |
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Doch wer waren die Hunnen wirklich? Auf rund 1.800 qm Ausstellungsfläche präsentiert das Historische Museum der Pfalz Speyer ihre wechselvolle Geschichte und ihre faszinierende Kultur auf einer breiten Grundlage archäologischer, historischer und ethnografischer Quellen.
Die Hunnen waren sowohl Auslöser als auch maßgeblicher Bestandteil gewaltiger Bevölkerungs-verschiebungen, in einer Zeit des Umbruchs in Europa. Völker gerieten in Bewegung auf der Suche nach einer neuen geschützten Heimat. Am Ende dieser Epoche stand der Beginn des frühen Mittelalters und germanische Reiche hatten das Erbe Westroms angetreten. Die Hunnen spielten für mehr als drei Generationen eine bedeutende Rolle in dieser wechselvollen Zeit. Nach dem Tod Attilas in der Mitte des fünften Jahrhunderts wurden sie dorthin zurückgetrieben, von wo sie einst das „Tor zu Europa“ eingerannt hatten: in die Weiten der eurasischen Steppe.
Die Besucher entdecken in der Ausstellung die Welt der Hunnen, wie sie noch nie zuvor zu sehen war. Sie durchqueren ein überfallenes römisches Kastell und tauchen ein in das nomadische Leben der Hunnen und erkunden eine kirgisische Jurte. Außerdem können sie die Nachbauten nomadischer Wagen, wie sie in Mittelasien bis heute genutzt werden, bewundern und einen Kurgan, den Grabhügel der Steppe, betreten.
Leihgaben aus zahlreichen Museen, Sammlungen und Instituten von West- bis Osteuropa sowie aufwändige Inszenierungen ermöglichen es, die Welt der Reiternomaden mit allen Sinnen zu erfahren. Rekonstruktionen, Hands-on-Objekte sowie der Einsatz von Multivisionen tragen zu einem umfassenden Erlebnis des kulturellen Erbes dieser einzigartigen Reiterkultur bei. Erstmals in Deutschland wird den Hunnen in dieser thematischen Breite und Tiefe Raum gegeben.
Ein Highlight der Ausstellung ist die Rekonstruktion einer hunnischen Frau mit künstlich deformiertem Schädel – eine der fremdartigen Sitten der Reiterkrieger. Wertvolle Diademe hochgestellter hunnischer Frauen und die typischen, schweren hunnischen Kessel sind ebenso zu sehen wie die Bewaffnung der Reiterkrieger und ihrer germanischen Vasallen. Grabfunde der hunnischen und germanischen Oberschichten veranschaulichen die Bestattungsbräuche dieser Zeit.
Auch den Mythos Attila und seine Rezeptionsgeschichte beleuchtet die Ausstellung. Schließlich können sich die Besucher selbst von Angesicht zu Angesicht mit Fragen an Attila wenden.
Verbreitung hunnischer Kessel:
Stationen der Ausstellung und bedeutende Exponate
1. Inszenierung: Die Reste eines römischen Kastells nach einem Überfall
Spätantike Im Jahr 284 n. Chr. wurde Diocletian zum Kaiser des römischen Reiches ausgerufen. Mit diesem Datum begann eine Zeit des Übergangs zwischen Antike und Mittelalter, die heute allgemein als Spätantike bezeichnet wird. Ihr Endpunkt, abhängig vom Blickwinkel des Betrachters, wird von der Absetzung des letzten römischen Kaisers Romulus Augustulus 476 nach Christus über den Tod Justinians I. 565 nach Christus bis hin zum Einfall der Araber und dem Tod des byzantinischen Kaisers Herakleios I. 641 nach Christus gesetzt.
Gegenüber den Wirren des dritten Jahrhunderts mit der Zeit der Soldatenkaiser und der Aufgabe des germanischen Limes stabilisierten sich zu Beginn der Spätantike durch das Wirken Diocletians die inneren und äußeren Verhältnisse. Seit Konstantin und seinen Nachfolgern nahm auch die Bedeutung des Christentums im vierten Jahrhundert immer stärker zu. Gegen Ende dieses Jahrhunderts war das römische Reich allerdings endgültig in eine östliche und eine westliche Hälfte geteilt. Es wurde erstmals mit den Goten ein großes germanisches Volk als Foederaten auf dem Gebiet des Reiches angesiedelt. Hinter den Goten rückten von Osten Stämme aus den Steppen Mittelasiens nach Europa vor. Zuerst Alanen und Sarmaten, nach ihnen reiternomadische Völker, die in der spätantiken Welt unter dem Namen Hunnen Angst und Schrecken verbreiten sollten.
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Ein Strom aus Leibern
Als die Goten im Jahr 376 n. Chr. die Donau überquerten und auf römischem Reichsgebiet Schutz suchten, war dies Ausdruck einer allgemeinen Bewegung, welche die Völker am Rande des römischen Reiches ergriffen hatte und die wir heute als Völkerwanderung bezeichnen. Aus den Tiefen der mittelasiatischen Steppe kommend, hatten die Hunnen die Tore Europas sprichwörtlich eingerannt. Hunnische Reiterkrieger setzten im späten vierten Jahrhundert über den Don, hinter ihnen lagen die zerschlagenen Reiche der Alanen und Sarmaten. Nur wenig später fiel das Ostgotenreich des Ermanarich gegen die hunnischen Horden. Die Unterlegenen - sofern diese nicht schon vorher geflüchtet waren - wurden in ihre Verbände integriert und trieben nun selbst andere Völker vor sich her. Es begann nun auch auf römischem Reichsgebiet eine Zeit der Wanderungen. Die Goten schlugen die Römer in der Schlacht von Adrianopel 378 n. Chr., siedelten sich in neuen Gebieten an und zogen letztendlich über den Balkan und Italien - mit der berühmten Einnahme Roms durch den westgotischen König Alarich I. 410 n. Chr. - nach Gallien, wo 418 n. Chr. Das tolosanische Reich der Westgoten gegründet wurde. Die Vandalen überwanden am Jahreswechsel 406/07 n. Chr. die Rheingrenze und zogen über Gallien und Spanien schließlich nach Nordafrika, wo sie 439 n. Chr. Karthago eroberten. Die Burgunder errichteten bei Worms ein Reich von kurzer Dauer und immer mehr fränkische und alamannische Gruppen siedelten über den Rhein auf Reichsgebiet über. Jenseits der Grenzen standen Stämme wie die der Rugier, Heruler, Skiren und Langobarden bereit, ihnen auf Reichsgebiet zu folgen.
Mit Bogen und Schwert
Die ersten hunnischen Raubzüge nach Europa erfolgten wohl im Jahr 395 n. Chr., als mehrere Einfälle von Thrakien bis nach Syrien und ins sassanidische Reich zu verzeichnen sind. Zu dieser Zeit scheinen auch einige hunnische Teilstämme bis in die ungarische Tiefebene vorgedrungen zu sein. Zu Beginn des 5. Jahrhunderts nehmen die Hunnen unter ihrem König Uldin jene Rolle in der Geschichte der Spätantike ein, die sie bis zum Tode Attilas ausüben sollten. Einerseits
standen Hunnen immer wieder als Hilfstruppen auf Seiten der Römer, andererseits sind hunnische Raubzüge in der gesamten antiken Welt in den Quellen belegt. Das bekannteste Beispiel für Hunnen in römischen Diensten ist ihre Beteiligung an der Zerschlagung des Wormser Burgunderreiches durch den weströmischen Heermeister Aetius. Auf Seiten der hunnischen Raubzüge sticht Attilas berühmter Gallienfeldzug hervor, der in der gewaltigen Schlacht auf den Katalaunischen Feldern gipfelte. Dass dieser Feldzug allerdings nicht den erhofften Erfolg einbrachte, schmälert seinen Bekanntheitsgrad keineswegs. Die Hunnen eroberten und plünderten zahlreiche Ortschaften und Städte, brannten Festungen nieder und machten selbst vor Heiligtümern keinen Halt. Sie verbreiteten mit ihren Verbündeten überall in der spätantiken Welt Angst und Schrecken. Sie raubten Gold, Silber, Schmuck und andere Luxusgüter, aber auch Waffen, sogar Menschen und nahmen alles mit sich fort.
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2. Inszenierung: Jurte und Feuerstelle der Nomaden
Aus den Tiefen der Steppe
Als die Hunnen im Verlauf des 4. Jahrhunderts nach Europa vordrangen, hatten ihre
Teilstämme bereits eine über Jahrhunderte andauernde Reise hinter sich gebracht. Die Ursprünge jener Hunnen liegen vermutlich in den Steppen Mittelasiens im Gebiet zwischen Altai und Tien šan und den Hochebenen Westchinas und der Mongolei. Ob sie tatsächlich mit den Stämmen der Hsiung-nu in den frühen chinesischen Quellen gleichgesetzt werden können, ist heute nicht mehr zu klären. Die nomadischen Hunnen folgten dem Verlauf der riesigen eurasischen Steppengebiete immer weiter nach Westen, auf der Suche nach neuen Weidegründen für ihre Herden. Auf ihrem langen Weg vertrieben oder eroberten die hunnischen Stämme andere Steppenvölker. Verschiedene hunnische Stämme, in einigen Quellen die „weißen Hunnen“ genannt, blieben in den weiten Landschaften zurück, andere, so genannte „schwarze Hunnen“, zogen weiter zu den Toren Europas.
Gebundene Schädel
In hunnenzeitlichen Gräbern begegnet den Archäologen immer wieder die fremd anmutende Tradition der künstlich deformierten Schädel. Schon vom Säuglingsalter an hatte man einigen Mädchen und Jungen mit Brettern und Bandagen die Schädel gebunden und in eine turmähnliche Form gebracht. In den Gräbern Mitteleuropas überwiegen bei weitem die Deformationen an weiblichen Schädeln. In den osteuropäischen bis nach Asien reichenden Gräbern sind Männer und Frauen mit Schädeldeformationen gleichermaßen vertreten. Ob der Hintergrund dieser Deformationen ein ritueller und religiöser gewesen ist, ob es sich hierbei um eine ästhetische Erscheinung oder ein ethnisch bestimmtes Merkmal gehandelt hat, ist nach heutigem Kenntnisstand nicht genau zu klären. Die Deformationen lassen sich in allen uns erkenntlichen Gesellschaftsschichten wieder finden. Auch die Verbreitung über den hunnischen Verband hinaus bei Nachbarvölkern wie Thüringern und Burgundern erschwert eine eindeutige Aussage über die einstige Bedeutung der künstlich deformierten Schädel.
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Ein vielschichtiger Verband
Lange Zeit war das äußere Bild der Hunnen allein geprägt vom mongolischen Typus. Auch heute noch sieht man darin den Kern des hunnischen Verbandes. Attila selbst wird in antiken Quellen mit mongolischen Zügen beschrieben. Darüber hinaus wissen wir heute, dass zu diesem hunnischen Verband viele verschiedene Völker gehörten, die sich selbst ebenfalls als Hunnen verstanden. Die Hunnen integrierten während ihrer Wanderung unzählige Völker, Stämme und Sippen in ihren Verband. Bekannte Beispiele sind Alanen und Sarmaten. Aber auch germanische Völker wie Goten, Gepiden, Heruler, Rugier und Sueben standen lange unter hunnischem Einfluss und gehörtem dem Verband an. Unter den Hunnen zählte nicht die Herkunft des Einzelnen, sondern der Wert für die Gemeinschaft. Der römische Historiker Priscus überlieferte die aussagekräftige Lebensgeschichte eines griechischen Kaufmanns, der in hunnische Gefangenschaft geriet und zum Besitz eines hochrangigen Hunnen wurde. Der Kaufmann ließ sein zivilisiertes Leben hinter sich und errang als Krieger in hunnischen Reihen seine Freiheit zurück, stieg sogar in der sozialen Hierarchie im hunnischen Verband auf.
In den spätantiken Quellen taucht immer wieder der Name „Skythen“ auf, wenn eigentlich Hunnen gemeint sind. Oft werden die Namen auch parallel genannt. Dies ist einerseits Ausdruck dafür, dass für Römer das Gebiet nördlich der Donau zu Skythien zählte und dementsprechend deren Bewohner als Skythen anzusehen waren, andererseits zeigt es auch die bunte Völkervielfalt dieses Gebietes. Auch wurden reiternomadische Völker traditionell von den Römern als „Skythen“ angesehen, die sie aus griechischem Quellen seit dem sechsten/fünften Jahrhundert vor Christus kannten.
Auf dem Rücken der Pferde
Die lange Reise der hunnischen Völker nahm in den Steppenlandschaften des Karpatenbeckens und der Pannonischen Tiefebene ihr vorläufiges Ende, ihre nomadische Lebensweise gaben sie jedoch nicht auf. Die Hunnen lebten in der langen Tradition der nomadischen Völker Mittelasiens in großen Zelten, die wir heute als Jurten kennen. Das weitläufige Gebiet bot ideale Bedingungen für die traditionelle Lebensweise. Auch nachfolgende Reitervölker wie etwa Awaren nutzten dies aus. Ammianus Marcellinus berichtet von der hunnischen Lebensweise in Wagen, mit denen man umherzog. Wie viele andere Völker der Antike bauten auch Hunnen Wagenburgen als Lagerstätten.
Das Pferd war ein elementarer Teil des hunnischen Lebens. Attila aß zu Pferde, wie er auch vom Pferderücken Verhandlungen führte. Die Tiere waren in der antiken Welt durch ihre Robustheit außerordentlich begehrt und stellten für Hunnen ein wichtiges Handelsgut dar. Neben den Pferden züchtete man auch Schafe, seltener Rinder. Vor allem die Wolle und das Fleisch der Schafe waren damals wie heute eine wichtige Grundlage der nomadischen Lebensweise.
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Einblick in den Alltag
Nur wenige Zeugnisse lassen für uns heute einen Blick in den Alltag der hunnischen Völker zu. Viele Gegenstände wurden aus Holz gefertigt und haben daher die Zeiten nicht überdauert. Nur in seltenen Fällen, dort wo es die klimatischen Bodenbedingungen erlauben, gelingt es, ein Zeitfenster zu öffnen. In einem südsibirischen Gräberfeld haben sich etliche Gebrauchsgegenstände aus Holz erhalten. Sie zeigen uns, dass die dort lebenden Nomaden sich in der Formenvielfalt ihrer Objekte an der Natur orientierten. Die hölzernen Alltagsgegenstände sind typisch für nomadische Kulturen. Bereits in Mittelasien, bedingt durch den Kontakt zum Chinesischen Reich, war den Hunnen auch Gebrauchskeramik bekannt. Diese fand jedoch, wahrscheinlich wegen ihrer Zerbrechlichkeit, keinen nachhaltigen Einfluss in die Alltagskultur. Auch das enge Zusammenleben mit germanischen Stämmen, bei denen Keramikgefäße traditionell verbreitet war, hat daran nichts Entscheidendes geändert.
Mit Schild und Schwert – Bewaffnung germanischer Krieger
In Attilas Heeren kämpften viele germanische Völkerschaften Seite an Seite mit den hunnischen Kerntruppen, den nomadischen Reiterkriegern. Unter den germanischen Kriegern war damals der Fußkämpfer noch vorherrschend. Nur bei wenigen germanischen Völkern, allen voran den Ostgoten, hatte sich schon der Reiterkampf mit der Lanze durchgesetzt. Zu den Ausrüstungsgegenständen eines germanischen Kriegers der Hunnenzeit gehörten Langschwert mit Schild, Speer und Spangenhelm. Unter den Germanen des hunnischen Verbandes findet sich ein besonderer Typus dieser Schwerter, jener mit einer eisernen Parierstange. Die Schwerter der Germanen außerhalb des hunnischen Verbandes, etwa der Alamannen, wiesen zu dieser Zeit keine Parierstange auf, da sie sich an den römischen Langschwertern orientierten. Ein Beleg für unterschiedliche kulturelle Einflüsse. Neben den eisernen
Parierstangen haben auch so genannte Schwertperlen, denen eine magische Funktion zugesprochen wird, Eingang in die germanische Bewaffnung gefunden. Einen nachhaltigen Einfluss auf die germanische Bewaffnung übten die schmalen Langsaxe aus, die vorher bei Germanen nicht bekannt waren. Im frühen Mittelalter wird der Sax bei einigen germanischen Stämmen sogar zur Hauptkampfwaffe.
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Die unzähligen Horden Attilas
Mit der Machtübernahme Attilas verändert sich das Auftreten der hunnischen Heere in den antiken Quellen. Berichten sie vorher von den hunnischen Reiterhorden, die einerseits mit verheerenden Überfällen römisches und persisches Gebiet verwüsteten, so beginnt unter Attila - und seinem damals noch lebendem Bruder Bleda - eine noch nie gekannte Ära der hunnischen Kriegsführung. Attila bindet die unterworfenen Völker mehr und mehr in seine Kriegstaktik ein. 441/442 nach Christus fallen er und Bleda in Illyrien ein, belagern mit schwerem Kriegsgerät
die Stadt Naissus, die ihnen schließlich in die Hände fällt. Im Kriegszug von 447 nach Christus soll Attila in Illyrien 100 Städte, Dörfer und Festungen erobert und geplündert haben. Der Völkerkatalog des Heeres, das Attila 451 nach Christus nach Gallien führt, liest sich gewaltig. Rugier, Gelonen, Gepiden, Burgunder, Skiren, Bellonoten, Neurer, Bastarner, Thüringer, Brukterer, Franken, Alanen, Sarmaten und Goten zogen mit Attilas Hunnen nach Westen. Der Gote Jordanes schätzte im sechsten Jahrhundert die Zahl des Attilaheeres auf 500.000 Mann.
Eine willkürliche Zahl, die dennoch deutlich macht, welche ungeheure Wirkung dieses Heer auf die spätantike Welt gehabt haben muss.
3. Inszenierung: Reitergruppe
Die hunnischen Reiterkrieger
Als die hunnischen Heerscharen über Europa herfielen, verbreiteten sie in Windeseile Angst und Schrecken. Die europäischen Krieger waren nicht vorbereitet auf den Sturm, den die asiatischen Reiterkrieger mit ihrer erbarmungslosen Kampfesweise entfachten. Der hunnische Reflexbogen war eine tödliche Waffe. Antike Körperpanzer hatten der enormen Zugkraft des Bogens und der Durchschlagskraft der dreiflügeligen Pfeilspitzen nichts entgegen zu setzen, die Kämpfer waren den Pfeilschwärmen der Hunnen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Ausgestattet mit dem typischen hunnischen Langschwert mit eiserner Parierstange und einem langen Kampfmesser waren die Hunnen auch im Nahkampf gefürchtete Krieger, die ohne Rücksicht auf das eigene Leben den Gegner niedermetzelten. Gefürchtet war auch eine hunnische Scheintaktik, bei der die Reiter einen Rückzug vortäuschten. Der so aus der Deckung gelockte Feind wurde dann von einem tödlichen Pfeilhagel überrascht, den die Hunnen im vollen Galopp nach hinten schießend gegen den Feind sandten.
Schamanismus
Der Schamanismus ist auch heute noch unter den Völkern der eurasischen Steppen verbreitet. Unter diesem Begriff versuchen wir die magisch-religiöse Welt dieser Völker zu fassen. Wesentlicher Bestandteil ist die Person des Schamanen. Er agiert als Mittler zwischen der diesseitigen Welt und einer jenseitigen Geisterwelt, die sehr vielschichtig sein kann. Um den Kontakt in Form einer Seelenreise herzustellen, begibt sich der Schamane in Trance. Auf seiner Reise wird der Schamane oft von einem Kraft- oder Totemtier begleitet. Der Schamane versucht durch seine Reise Antworten von den Ahnen oder Geistern zu erhalten, um weltliche Probleme lösen zu können. Schamanen können aus der Natur die Zukunft herauslesen. Bekannt sind Vorhersagen aus dem Vogelflug, aus Eingeweiden aber auch aus den Schulterblättern von Tieren. Besonders im asiatischen Raum ist eine Art der Schulterblattschau zu finden, bei der aus den feinen Rissen eines im Feuer erhitzten Schulterblattes gelesen wird.
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Zeichen der Zukunft
Bevor Attila sein Heer auf das Schlachtfeld der Katalaunischen Felder führte, ließ er sich von Schamanen den Ausgang der Schlacht vorhersagen. Aus den Eingeweiden von Rindern und den Schulterblättern von Schafen prophezeite man den Hunnen Unheil. Doch auch der Gegner sollte den Sieg nicht davontragen. Der Tod des höchsten Anführers des feindlichen Heeres sollte den Gegner um die Frucht des Sieges bringen, so lautete die Prophezeiung der hunnischen Seher. Attila nahm nun fälschlicherweise an, dass man den Tod des Aetius vorhergesehen hatte. Er musste im Schlachtverlauf feststellen, dass der König der Westgoten, Theoderich I., den Abend nicht mehr erleben sollte. Es war nach den Quellen nicht das einzige mal, dass Attila auf die Künste der Seher zurückgriff. Priscus berichtete über Attila, dass diesem die Seher prophezeit hatten, sein Geschlecht würde untergehen und nur in einem einzigen Sohn wieder aufblühen. Attila nahm dies anscheinend sehr Ernst, denn er zeigte sich allen anderen Söhnen gegenüber gleichgültig, nur der prophezeite Stammhalter Ernach stand hoch in seiner Gunst.
Tribute
Als 435 nach Christus der Vertrag von Margus zwischen Römern und den Hunnenherrschern Attila und Bleda geschlossen wurde, beinhaltete er unter anderem die Verdoppelung der jährlichen Zahlung von 350 Pfund Gold, die noch an Attilas Onkel Rua, den damaligen Herrscher an der Spitze des hunnischen Verbandes, geleistet wurden. Zwölf Jahre später, als Attila alleine an der Spitze der Hunnen herrschte, betrug der jährliche Zins 2.100 Pfund Gold, neben einer einmaligen Zahlung von 6.000 Pfund Gold. An Attila zahlten die Oströmer in den vierziger Jahren des fünften Jahrhunderts mehr als 13.000 Pfund Gold. Das entspricht in etwa der Anzahl von 900.000 Solidi, der spätantiken Goldwährung. Schätzungen zufolge betrugen die durchschnittlichen Einkünfte Ostroms jährlich etwa 270.000 Pfund Gold, was die Zahlungen an die Hunnen relativiert. Daher ist man heute nicht mehr der Ansicht, diese Zahlungen hätten das römische Reich in den Ruin getrieben. Im Gegenteil, Tribute waren um ein Erhebliches günstiger als der Unterhalt von Truppen für die Abwehr äußerer Feind. Trotzdem handelt es sich bei den Zahlungen an die Hunnen um unermessliche Reichtümer, ohne dabei noch die zahlreichen Geschenke an hunnische Gesandtschaften oder die Lösegeldzahlungen für Gefangene zu berücksichtigen. Dieser Reichtum findet sich in den materiellen Zeugnissen der hunnischen Führungsschicht wieder.
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4. Inszenierung: Der Palast des Großkönigs
Der Besuch des oströmischen Gesandten Priscus von Panium an Attilas Hof hinterließ der Nachwelt einen einzigartigen Einblick in die Welt der Hunnen. Auf der diplomatischen Reise begegneten die Gesandten dem hunnischen Großkönig nördlich der Donau, erwartungsgemäß in einem Zelt. Sie folgten dem hunnischen Tross ins Kernland des Attilareiches und trafen auf eine unerwartet große Ansiedlung, in deren Zentrum die prächtigste der Residenzen Attilas stand. Es war ein hölzerner Bau aus Balken und geglätteten Brettern, umgeben von einem hölzernen Zaun, von dem Priscus ausdrücklich erwähnt, dass es sich nicht um eine Wehranlage handelte. Im Gegensatz zu den in Jurten oder Wagen lebenden Hunnen errichteten die Ostgermanen in Attilas Verband hölzerne Langhäuser. Es ist daher denkbar, dass Attilas Palast in diesem Stil von Ostgermanen errichtet wurde.
Attilas germanische Verbündete
Die unzähligen germanischen Krieger in Attilas Heer unterstanden vermutlich nie der direkten Kontrolle der Hunnen. Das Herrschaftssystem Attilas bestand darin, die herrschenden Könige und Häuptlinge durch ein persönliches Vertrauensverhältnis an sich zu binden. Priscus berichtet von hoch angesehenen Personen aus dem Umkreis Attilas, den logades. Zu seinen engsten Vertrauten gehörten beispielsweise der Gepidenkönig Ardarich und der Ostgotenkönig Valamir. Auf diese Weise entstand ein System, dass man eher als Herrschaft über Personen denn als Herrschaft über Territorien begreifen kann.
Durch Attilas Gunst wurde ein enormer Reichtum unter seinen Vertrauensleuten verteilt. Zum
einen beinhaltete dies die Goldmengen aus den oströmischen Tributen, zum anderen natürlich
auch die gewaltige Beute der Raubzüge. Dieser Reichtum drückt sich in den Funden aus, die
dieser germanischen Führungsschicht zugeordnet werden können.
Hunnische Herren
Nur wenige Namen hunnischer Anführer sind aus den schriftlichen Quellen der Antike bekannt
und nur die Zeit Attilas bietet durch den Bericht des Priscus einen tieferen Einblick in die
Führungsschicht des hunnischen Verbandes. Die hunnischen logades hatten vielfältige
Tätigkeiten zu erfüllen. Sie traten als Krieger, Verwalter, Diplomaten oder Berater in
Erscheinung. Sie waren diejenigen, die am meisten vom Reichtum des Hunnenreiches
profitierten. In den Gräbern, die der höchsten sozialen Schicht des hunnischen Verbandes
zugeordnet werden, zeichnet sich eine klare Herrschaftssymbolik, etwa in Form von goldenen
Bogen- und Sattelbeschlägen oder Schwertgriffen ab. Darüber hinaus unterscheiden sich die
Gräber der hunnischen Führungsschicht von den germanischen Gräbern durch die eurasische
Grabsitte des Totenopfers.
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Von Ildico und Ihresgleichen
Die wohl bekannteste Germanin aus dem hunnischen Verband trug den Namen Ildico. Sie
errang traurige Berühmtheit als letzte Braut Attilas, der in der Hochzeitsnacht verstarb. Die
hunnische Sitte sah vor, dass ein Mann mehrere Frauen haben konnte. Attila scheint dies
intensiv genutzt zu haben. Die antiken Quellen behaupten einerseits, er sei dabei Opfer seiner
Lenden gewesen, andererseits soll es sich dabei um eine Heirats- und Bündnispolitik gehandelt
haben. Sowohl die nomadischen Frauen der Oberschicht des hunnischen Verbandes als auch
diejenigen der verbündeten Stämme verfügten wie die Männer über einen enormen Reichtum.
In den Gräbern der germanischen Frauen lässt sich eine Verschmelzung der germanischen
Tracht mit östlichen, reiternomadischen Sitten erkennen.
Herrinnen der Steppenkrieger
Über die soziale Stellung hunnischer Frauen liefert Priscus ein anschauliches Bild. Hunnische
Frauen konnten demnach eine hohe gesellschaftliche Stellung innehaben. Eine Witwe Bledas
herrschte über ein ganzes Dorf. Kreka, die Hauptfrau Attilas, lebte im Residenzbezirk in einem
hölzernen Gebäude. Sie hatte das Recht, Gesandtschaften zu empfangen. Dies tat sie auf
einem weich gepolsterten Lager, umgeben von ihren zahlreichen Dienerinnen. Ihre Stellung
war so bedeutend, dass römische Gesandte ihr Geschenke zukommen ließen.
Die Gräber der hunnischen Frauen stehen im Reichtum den germanischen Bestattungen in
Nichts nach. Die Beigabentradition ermöglicht es, zwischen den einzelnen
Bevölkerungsgruppen zu unterscheiden, so etwa anhand des Trachtzubehörs.
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Attila
Schon in der Spätantike verlor man über Attila kaum ein gutes Wort. Man hielt ihn für einen
anmaßenden Emporkömmling, der mit unverschämtem Glück das größte Reich der Welt
herausfordern konnte. Die christlich geprägte Geschichtsschreibung tat ihr Übriges, um das
Bild von Attila dem Schrecklichen, der Geißel Gottes, zu prägen. Heute sieht man die Person
Attilas differenzierter. In den Quellen taucht er als charismatische Persönlichkeit auf, jähzornig
und doch freundlich und besonnen, bescheiden und doch anmaßend. Bezeichnend ist, dass mit
seinem Tod sein Reich buchstäblich zerbricht. Sein enger Vertrauter, der Gepidenkönig
Ardarich, wird zum Totengräber des hunnischen Reiches. Darin zeigt sich die Bedeutung der
Person Attilas. Das Hunnenreich war bestimmt durch das Vertrauensverhältnis zwischen dem
Großkönig und seinen logades. Als Attila starb, brach dieses System auseinander. Die Einigung
des Hunnenreiches war der große Verdienst dieser Persönlichkeit. Die einzelnen Raubzüge
hunnischer Stämme in den Jahrzehnten vor Attilas Herrschaft waren eine schreckliche Plage
für das römische und auch das sassanidische Reich, aber nicht mehr. Erst Attilas Großheer
forderte das römische Weltreich ernsthaft heraus. Das Selbstverständnis und der Reichtum der
hunnischen und germanischen Oberschicht zeigen, dass das hunnische Reich unter Attila wohl
eine ernsthafte Alternative zum römischen Reich gewesen ist.
Silber, Gold, Gebein und Erde
Die Bestattungssitten der Ostgermanen und der Angehörigen des reiternomadischen
Kulturkomplexes, wie Hunnen in der archäologischen Fachsprache genannt werden, weisen
deutliche Besonderheiten auf, die eine Unterscheidung der Kulturgruppen ermöglichen. Die
ostgermanischen Gräber haben meist eine West-Ost orientierte Lage, d.h. der im Westen
liegende Kopf des Verstorbenen blickt nach Osten. Reiternomadische Gräber sind dagegen
Nord-Süd orientiert. Diese Unterschiede haben vermutlich spirituelle Hintergründe.
Männergräber können meist an den Waffenbeigaben unterschieden werden. Reiterkrieger
trugen beispielsweise keine Rundschilde mit Schildbuckel und keine Äxte. Im Gegensatz zu
hunnischen Frauengräbern sind germanische Frauenbestattungen vor allem durch die Beigabe
von Fibeln gekennzeichnet. Neben den Unterschieden zeigen sich auch Gemeinsamkeiten, die
die Verschmelzung der beiden Kulturgruppen durch die hunnische Zeit verdeutlichen. Dazu
zählen Traditionen wie die Schädeldeformation, die Übernahme von Langschwertern mit
eiserner Parierstange durch germanische Stammesangehörige oder die Beigabe von
Ösenspiegeln in die Gräber.
Grabhügel der Steppe
Die Bestattung in Grabhügeln hat in der Geschichte der Menschheit eine lange Tradition. Die
besondere Form der Grabhügel in den Steppenlandschaften Eurasiens trägt den Namen
Kurgan. Schon die alten Skythen begruben ihre Toten in solchen Monumenten, die teilweise
weithin sichtbar in der Steppe aufragten. Mancherorts reihen sich solche Kurgangräber über
Kilometer aneinander. Die hunnischen Stämme der Gebiete Mittelasiens und Osteuropas
begruben ihre Toten ebenfalls in solchen Kurganen, wenn auch nicht ausschließlich. Der innere
Aufbau eines Kurgans - jeweils mit einem Zugangsschacht und einer Kammer für die
eigentliche Bestattung – zeigt bestimmte Besonderheiten, die wahrscheinlich auf zeitliche oder
ethnische Unterschiede hinweisen. Mancher Kurgan aus älterer Zeit wurde von Hunnen wieder
verwendet, so dass sich in einem Kurgan Gräber aus unterschiedlichen Zeitaltern befinden
können.
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Vom Kochtopf zum Kultgerät
Ein besonderes Merkmal der hunnischen Kultur sind große bronzene Metallkessel. Über die
Verwendung dieser Kessel herrschte lange Uneinigkeit, gerade in der früheren Forschung
neigte man dazu, diese Geräte als Kochutensilien zu betrachten. Südsibirische
Felszeichnungen, auf denen Kessel in hunnischen Siedlungen abgebildet waren, wurden in
diese Richtung interpretiert. Heute werden diese Kessel eher als Kultgeräte gesehen, die
vermutlich im hunnischen Bestattungszeremoniell eine Rolle spielten.
Die hunnenzeitlichen Kessel weisen in Form und Verzierung nach Asien, wo verwandte Stücke
aus älterer Zeit nachgewiesen sind. Auffallend ist, dass die Kessel meist in der Nähe von
Gewässern gefunden wurden und dadurch eine besondere Bedeutung des Wassers nahe legen.
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Eine verhängnisvolle Nacht
Jordanes beschreibt in seiner Gotengeschichte den Tod Attilas als ein Ereignis, das von allen
Völkern, auch von den Römern, herbeigesehnt worden war. Der hunnische Großkönig starb so
ungewöhnlich grauenvoll, wie sein Leben ungewöhnlich gewesen war. Mit diesen Worten fasst
Jordanes Tod und Leben Attilas zusammen. Der ungewöhnlich grauenvolle Tod soll durch einen
Blutsturz eingetreten sein, an dem der volltrunkene König in seiner Hochzeitsnacht mit der
wunderschönen burgundischen Prinzessin Ildico erstickte. Ein ungewöhnlicher Tod für einen
Mann, dessen Ableben man am ehesten auf dem Schlachtfeld vermuten würde. Daher
verwundert es nicht, dass schon bald Gerüchte entstanden, die junge Ildico hätte sich ihres
Gemahls mit Hilfe eines Dolches entledigt, als Rache für die Vernichtung des burgundischen
Königreiches durch die Hunnen.
Ein König wird zu Grabe getragen
Das Begräbnis Attilas wurde von Priscus beschrieben. Attila wurde zunächst in einem seidenen
Zelt aufgebahrt, während die besten Krieger auf ihren Pferden um ihn herumritten, Klagelieder
anstimmten und sich die Wangen zerschnitten, eine Trauerzeremonie mit reiternomadischer
Tradition. Nach einem ausgedehnten Leichenmahl wurde im Schutz der Nacht der Leichnam
des Großkönigs zu seinem Grab gebracht. Da der Hunne mit ungeheuren Reichtümern
beigesetzt worden sein soll, wurden alle Menschen, die mit der Grablegung betraut waren,
kurzerhand ermordet, um Attilas Totenruhe zu wahren.
Im Laufe der Zeit vermischte sich dies mit dem Bericht über das Begräbnis des Alarich, der
unter einem eigens dafür umgeleiteten Fluss begraben wurde. So entstand die Legende, Attilas
Grab sei unter einem großen Fluss zu finden. Seither wurde immer wieder vermutet, dass sich
unter der Theiß oder einem verlandeten Seitenarm das Grab des Hunnenherrschers befindet.
Auch die Überlieferung, Attila sei in einem dreifachen Sarg, einem eisernen, einem silbernen
und einem goldenen, bestattet, findet sich in der Legendbildung vieler anderer Stämme wieder.
Das Ende eines Reiches
Mit dem Tod Attilas nahm das Ende des hunnischen Reiches seinen Lauf. Attilas Söhne waren
sich uneins über die Weitergabe der Herrschaft und vor allem waren sie offensichtlich nicht in
der Lage, das Bündnis- und Vertrauenssystem ihres Vaters aufrecht zu erhalten. Nachdem
Völker und Könige durch das Los unter den Söhnen aufgeteilt werden sollten, ging ein tiefer
Riss durch das hunnische Reich. Unter der Führung des Gepidenkönigs Ardarich erhoben sich
einstige Verbündete Attilas gegen dessen Söhne und besiegten deren Heer in der Schlacht am
Nedao im Jahr 454 nach Christus Es war eine Schlacht, bei der auf beiden Seiten Angehörige
des gleichen Volkes gegeneinander kämpften. Rugier gegen Rugier, Skiren gegen Skiren,
Sarmaten gegen Sarmaten und viele mehr. Die Einigkeit des Hunnenreiches war damit
zerschlagen. Die Gepiden gingen als Sieger aus der Schlacht vom Nedao hervor und
bemächtigten sich des hunnischen Kernlandes im östlichen Karpatenbecken. Die Hunnen
wurden nach Osten vertrieben, alle anderen Verlierer vom Nedao suchten Zuflucht auf dem
Gebiet des römischen Reiches.
Die antiken Quellen berichten von weiteren Versuchen der Attila-Söhne Ernak und Dengizich
im Gebiet der unteren Donau wieder Fuß zu fassen, sie scheitern aber allesamt. 469 nach
Christus wird das Haupt des Dengizich nach Konstantinopel gesandt. Danach verliert sich
langsam die Spur der europäischen Hunnen in den Quellen.
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Der heilige Vater und das Väterchen
Während Attilas letzten Feldzuges in Italien ereignete sich eine Begegnung, über deren
Wahrheitsgehalt immer wieder diskutiert wird. Jordanes berichtet von der Absicht Attilas, nach
der Einnahme von norditalienischen Städten wie Aquileia und Mediolanum nach Rom zu
ziehen. Da die kaiserliche Familie sich bereits auf die Flucht vorbereitete und auch der Feldherr
Aetius nichts unternahm, um ein Heer zur Verteidigung aufzustellen, begab sich der heilige
Vater Leo I. an die Furt des Mincio in Venetien, um dort mit Attila das Gespräch zu suchen. Der
Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Attila stimmte dem Friedensgesuch zu und marschierte
nicht gegen Rom. Im Gegenteil, er zog auf direktem Wege in das Gebiet jenseits der Donau.
Um dieses Aufeinandertreffen zu verstehen, bedarf es der Ergänzung einiger Ereignisse. Attilas
Feldzug hatte ihm schwere Verluste eingebracht, das Heer wurde darüber hinaus durch eine
Seuche dezimiert. Auch war Attila von seinen Schamanen Unheil vorher gesagt worden, wenn
er weiterziehen würde. So bot sich durch das Friedensangebot eine geeignete Gelegenheit zum
Rückzug, denn Attilas Heer wurde im eigenen Reich nördlich der Donau dringend gebraucht.
Der oströmische Kaiser Marcian hatte zum Angriff gerüstet, ein oströmisches Heer die Donau
überschritten und ein hunnisches Grenzheer geschlagen. Attila kam das Angebot Leo I. wohl
mehr als gelegen.
Attila und die Hunnen, ein Mythos
Obwohl die Epoche, in der Attila und die Hunnen auf der Bühne der Weltgeschichte standen,
nur von kurzer Dauer war, hat sie eine nachhaltige Wirkung hinterlassen. Attila und seine
Hunnen lebten in der germanischen Sagenwelt weiter, vom Walthari Lied, der Völsunga Saga
bis hin zur Nibelungensage. Sogar spätere reiternomadische Völker wie die Awaren wurden
von den frühmittelalterlichen Geschichtsschreibern noch als Hunnen wahrgenommen.
Den Beinamen „Geißel Gottes“ erhielt Attila schon im fünften Jahrhundert. Die Gründe dafür
können nicht in der Person Attilas liegen, denn der Hunnenkönig sticht nicht durch besondere
Grausamkeit hervor. Im Gegensatz zu anderen Königen seiner Zeit wie der Westgote Eurich
oder der Vandale Geiserich hat Attila niemals eine Person wegen ihrer Abstammung oder ihres
Glaubens verfolgen lassen. Mit den Hunnen wird bis heute unwillkürlich Schrecken und
Grausamkeit verbunden. Darin standen ihnen andere Völker ihrer Zeit jedoch in nichts nach.
Bis in unsere Tage hat sich ein Bild von Attila und den Hunnen erhalten, dass im Wesentlichen
von Wildheit und Grausamkeit, aber auch Exotik und unschätzbarem Reichtum, Pracht und
Prunk geprägt ist.
In all dem steckt ein Stück der Welt der Hunnen, doch das heutige Bild ist zu stark gezeichnet.
Eine fremde Kultur übt auf viele Menschen einerseits Faszination aus, andererseits ruft die
Fremdartigkeit Angst, Schrecken und Ablehnung hervor. Die Hunnen haben ihre Spuren im
Staub der europäischen Geschichte hinterlassen, ihre herausragende Rolle in der Spätantike ist
die Grundlage für den Mythos geworden.
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Hör- und interaktive Stationen
Zone 1
„Hieronymus über den Niedergang seiner Zeit“
Ausschnitt aus einem Brief des Kirchenvaters Hieronymus in dem er sich über die Katastrophen
seiner Zeit beklagt
Zone 8
„Fragen an Priscus“
Zone 11
„Fragen an Attila“
Zone 13
„Attila and the Huns“
Sketch von Monty Python
Zone 15
„Jordanes Überlieferung von Attilas Tod“
Beschreibung von Attilas Tod und Bestattung
Multivisionen:
Zone 1
„Mythos Attila“
Wer war Attila und wie wurde er gesehen ?
Zone 1
Comicstrip über den Kampfhergang, bei dem der Tote von Wien XXI starb
Zone 6
„Reflexbogen in Aktion“
3D-Animation über die Verwendung des Reflexbogens im Kampf
Zone 13
„Historischer Hintergrund“
Weitere Informationen über kommunikation@museum.speyer.de.
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„Das Leben der Nomaden in der Steppe“ –
die Ausstellung des Jungen Museums Speyer
Die Hunnen gehören zu den nomadischen Reitervölkern und sind als besonders gute Reiter und
gefährliche Krieger berühmt geworden. Auch heute noch leben einige Nomadenvölker in der
Mongolei, in Kirgistan und im asiatischen Teil Russlands. Diese Thematik wird vom Jungen
Museum aufgegriffen: Einige Räume sind speziell für Kinder konzipiert und laden zum
Mitmachen und Erleben ein. Wie sieht das Leben der Kinder in den weiten Steppen Asiens aus?
Könnt ihr euch vorstellen, wie es ist, mit der ganzen Familie in einem Zelt zu wohnen? Habt ihr
schon einmal eine Herde Schafe zusammen getrieben? Was bedeutet es, nicht ständig an
einem Ort zu wohnen, sondern je nach Jahreszeit in ein anderes Gebiet zu ziehen?
Themenschwerpunkte der Ausstellung „Das Leben der Nomaden in der Steppe“ des Jungen
Museums sind: Das Leben in der Jurte, kirgisische Musik, das Filzen und die Jagd.
Kirgistan
Kirgistan liegt im Herzen Zentralasiens zwischen dem Pamir und dem Altai in der Tien Shan
Bergkette. In dieser Landschaft finden sich über 7000 Meter hohe, schneebedeckte Gipfel. Es
ist ein multinationales Land mit mehr als 28 verschiedenen Nationalitäten, wobei die Kirgisen
mit über 65 Prozent die Mehrheit stellen. Das Volk, welches dem modernen Kirgistan
(kirghiz- Volk, -stan Land) den Namen gab, ist eines der ältesten Zentralasiens und gehört zu
den Turkvölkern. Über den Ursprung der Kirgisen gibt es unterschiedliche Aussagen. Als
unzweifelhaft gilt jedoch, dass die alten Kirgisen ihren ersten Staat zeitgleich mit dem ersten
turksprachigen Imperium der Hunnen gründeten. Die Vorfahren der Kirgisen wurden
924 n. Chr. von den Mongolen aus ihrem Land vertrieben. Ein Teil der Kirgisen habe sich
nördlich des Tien Shan niedergelassen und ein anderer Teil sei während der mongolischen
Invasion im 13. Jh. unter die Herrschaft Tschingis Khans geraten. Ab dem 15. Jh. hätten sich die
Kirgisen im Tien Shan wieder vereinigt: So erzählt es die eindrucksvolle Heldengeschichte des
Khan Manas. Dieses Epos besteht aus mehr als einer Million Verse, die das frühere kirgisische
Leben darstellen und seit Generationen mündlich von Geschichtenerzählern, den manastschi ,
überliefert werden.
Aufbau einer Jurte
Die Jurte hat eine tausendjährige Geschichte. Heute ist der Nomadenstamm, der die Idee zu
dieser einzigartigen Wohnungskonstruktion in der Vorzeit entwickelt hat, nicht mehr
bestimmbar. Ein erfahrener Jurtenbauer benötigt nur einen Monat zur Herstellung einer Jurte,
die dann zwanzig Jahre lang benutzt werden kann. Der Aufbau der Jurte beginnt mit dem
bosogo, dem Türrahmen. Rechts und links vom Türrahmen wird in kreisförmiger Anordnung ein
rautenförmiges Gitter (kerege kos) aufgestellt, das sich aus einzelnen Teilen zusammensetzt.
Anschließend werden auf dem kerege kos die Kuppelstangen befestigt, die den tündük – einen
kranzförmigen Aufsatz – tragen. Alles wird dann mit Rohlederriemen gut verbunden. An der
Außenseite wird die Jurte mit einer Matte aus Federgras bezogen. Erst dann wird an der
gesamten kuppelförmigen Holzkonstruktion dicker Filz aufgelegt. Jede einzelne Filzschicht
wird mit festen Seilen an den rund um die Jurte eingeschlagenen Pfählen befestigt. Der tündük
wird ebenfalls mit einem Filzstück bedeckt, das während des Tages und bei klarem Wetter
zurückgeschlagen wird, bei Kälte und Regen die Öffnung jedoch gut verschließt.
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In der Jurte
Im Zentrum der Jurte und des Lebens ihrer Bewohner ist die kolomto, die Feuerstelle, die sich
direkt unter der runden Öffnung im Jurtendach befindet. An der Rückwand der Jurte
unmittelbar gegenüber dem Eingang wird der dschuk eingerichtet: ein Platz für die
zusammengerollten Decken, Teppiche, Truhen und Kissen. Je höher der dschuk umso
wohlhabender die Bewohner. Der Platz davor wird tör genannt und ist für Ehrengäste und alte
Menschen reserviert. Rechts vom Eingang befindet sich der eptschi schak, der Teil der Jurte, der
den Frauen vorbehalten ist. Hier werden Geschirr und andere Haushaltsgegenstände in großen
Filztaschen aufbewahrt. Der linke Teil vom Eingang, er schak, bietet den Männern Raum, um
Zaumzeug, Reitpeitschen und Jagdmesser zu verstauen.
Filz
Die Chinesen haben, so sagt man, bereits im 6. Jh v. Chr. das Gebiet Zentralasiens „Filzland“
genannt. Dies lässt erkennen, dass Filz bei den zentralasiatischen Nomadenvölkern schon sehr
früh eine herausragende Rolle gespielt hat. Filz ist auch heute noch für die Nomaden in
Kirgistan immer gegenwärtig. Nicht nur die Jurten, sondern auch Teppiche, Brottaschen,
Pferdetaschen, Stiefel, Hüte und vieles mehr wird aus Filz gemacht. Für die Herstellung eines
shyrdak – eines Filzteppichs benötigt man ein ganzes Jahr: Im Frühjahr werden die Schafe
geschoren, im Sommer wird im Freien gefilzt. Mit kochendem Wasser übergossen, eingerollt
und zu einem Bündel verschnürt, verfilzt die Wolle, in dem man das Bündel mit den Füßen tritt.
Dabei entstehen Filzmatten, aus denen an langen Winterabenden kirgisische Frauen bunte
Muster ausschneiden und sie dann zu farbenfrohen Teppichen zusammennähen. Diese
Muster, deren Wurzeln bis in die Bronzezeit zurückreichen, sind einfache aber zugleich
ausdrucksstarke Elemente aus der Tier- und Pflanzenwelt und aus der Landschaft. Die
häufigsten Motive sind stilisierte Tierhörner wie das Widder- und das Steinbockhorn.
Reiterspiele
Pferde haben – wie schon bei den Hunnen – bis heute für die kirgisischen Nomaden eine
große Bedeutung. Kirgisische Kinder lernen früh das Reiten – sogar ohne Sattel. Wenn große
Feste gefeiert werden, dürfen die Pferde natürlich auch nicht fehlen. Es gibt viele Spiele und
Wettkämpfe mit Pferden. So zum Beispiel das Pferderennen At- tschabysch. Jungen im Alter
von 13 bis 15 Jahren zeigen, wie gut sie das Reiten beherrschen, aber auch die guten
Eigenschaften ihres Pferdes. Erfolgreiche Pferde werden bei den Spielen mit traditioneller
Musik besungen.
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Begleitprogramm
16. Juni 2007, 16 Uhr
Eröffnung der Ausstellung
Vorträge
16. August 2007, 19 Uhr
Die Rolle der Hunnen in der Spätantike
Dr. Bodo Anke
13. September 2007, 19 Uhr
Die Hunnen zwischen Europa und Asien
Dr. Alexander Koch
25. Oktober 2007, 19 Uhr
Wie und warum schreibt man heute über die Germanen?
Prof. Dr. Herwig Wolfram
Tagung
23. bis 24. November 2007
Hunnen zwischen Asien und Europa – Aktuelle Forschungen zur Archäologie und Kultur der
Hunnen
Besonderer Service:
„Zeit für Geschichte – Führung ab 60“
Führungen durch die Ausstellung mit Mikrofon, Kopfhörern und Sitzgelegenheiten für bis zu 25
Personen
Information und Buchung unter 06232 62 02 22 oder info@museum.speyer.de
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Begleitprogramm des Jungen Museums Speyer
Workshops
Filzen
Bei dem Rundgang durch die Ausstellung erfahrt ihr einiges über Reiternomaden, die vor mehr
als 1.500 Jahren gelebt haben. Aber ihr lernt auch das Leben der heutigen Nomaden kennen.
Das Filzen ist eine alte Tradition dieser Nomadenvölker. Filz ist eines der wichtigsten
Materialien: Aus Filz werden bis heute Wände für Jurten, Teppiche, Kleidung oder Satteldecken
gefertigt. Im Anschluss an die Führung könnt ihr lernen, wie das Filzen geht und stellt einen
eigenen Ball aus Filz her. (6-10 Jahre)
Schmuck
In der Ausstellung sind einige kostbare Schmuckstücke zu sehen, wie Fibeln oder
Goldblechapplikationen mit Almandinsteinen, mit denen kostbare Frauengewänder
geschmückt waren. Wir schauen uns diese gemeinsam an und werden die Technik des
Cloisonné kennenlernen und eine eigene Brosche mit Schmucksteinen oder einen Anhänger
gestalten. (8-12 Jahre)
Die Workshops beinhalten eine 45-minütige Führung durch die Ausstellung sowie einen
praktischen Teil mit einer Dauer von 45 Minuten.
bis 16 Kinder: 65 € plus 3 € pro Kind
17 bis 32 Kinder: 75 € plus 3 € pro Kind
Führung mit Lesung
Das Leben der Nomadenkinder
In einer Jurte, dem Zelt der Mongolen oder Kirgisen, könnt ihr dem Erzähler von kirgisischen
oder mongolischen Geschichten und Märchen lauschen und werdet so auf das Leben der
Nomaden eingestimmt. Ihr erfahrt einiges über die Kultur und das Leben der Nomaden.
Anschließend geht ihr durch die Ausstellung, taucht in die Geschichte ein und lernt dort die
Hunnen kennen, die vor mehr als 1500 Jahren als Reiternomaden lebten und gefürchtete
Krieger waren. (6-12 Jahre)
Die Führung mit Lesung dauert 90 Minuten.
bis 32 Kinder: 57€ plus 3 € pro Kind
Lehrerfortbildung
4. September 2007, 10 bis 17 Uhr
Zur Ausstellung veranstaltet das Junge Museum in Zusammenarbeit mit dem Institut für
Lehrerfortbildung und schulpsychologische Beratung Speyer (IFB) eine Fortbildung für alle
interessierten Lehrerinnen und Lehrer. An diesem Tag werden die Schwerpunkte der
Ausstellung vorgestellt, vertieft durch eine Führung durch die Ausstellung. Anschließend
werden Handreichung und Begleitprogramme zur Ausstellung vorgestellt.
Anmeldung über das IFB Speyer online oder mit "Grüner Karte" IFB Nr. 721650901
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Begleitbuch
Das Begleitbuch zur Ausstellung im Historischen Museum der Pfalz Speyer präsentiert die
Hunnen, ihre wechselvolle Geschichte und faszinierende Kultur auf einer breiten Grundlage
archäologischer, historischer und ethnografischer Quellen. Die neue Forschung hat
herausgestellt, dass es sich bei den Hunnen keinesfalls um kulturlose, primitive Horden
gehandelt hat, sondern um eine heterogene Bevölkerungsgruppe, die perfekt an ein Leben in
der Steppe unter widrigsten Lebensbedingungen angepasst war. Die archäologischen Funde
geben Auskunft über den raschen Aufstieg der Hunnen, ihre rasante Mobilität, die Eigenheiten
ihrer nomadischen Lebensweise und die äußerst effektive, überraschende Taktik im Kampf.
In leicht verständlichen Texten erfährt der Leser darüber hinaus vom alltäglichen Leben und
der Vorstellungswelt der Reiternomaden. Die zahlreichen Abbildungen tragen zu einem
umfassenden Erlebnis des kulturellen Erbes dieser einzigartigen und in vieler Hinsicht
fremdartigen Reiterkultur bei.
Aus dem Inhalt
· Die Hunnen und die römische Propaganda
· Leben in der Steppe
· Königtum und Herrschaft
· Kampf und Jagd
· Kult und Glaube
· Tod und Jenseits
· Mensch und Ethnos
· Tracht und Schmuck
· Kulturaustausch und -einfluss
· Nachleben und Wirkungsgeschichte der Hunnen
Attila und die Hunnen
Herausgegeben vom Historischen Museum der Pfalz, Speyer
392 Seiten mit ca. 500 farbigen Abbildungen.
24 x 28 cm.
Erhältlich für 29,90 € im Museumsshop oder per Post zzgl. 6,90 € Versandkosten.
Erscheint im Juni 2007 im Konrad Theiss Verlag, Stuttgart.
Gedruckt mit Unterstützung der Klaus Tschira Stiftung.
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Ausstellungsdaten
Ausstellungsort Historisches Museum der Pfalz, Domplatz, 67346 Speyer
Ausstellungsfläche ca. 1800 Quadratmeter
Umfang viele hundert Objekte aus Nationalmuseen und großen
Sammlungen zahlreicher Länder, mehr als 60 Leihgeber,
Hörstationen, Multivisionen
Dauer 17. Juni 2007 bis 6. Januar 2008
Gesamtleitung Alexander Koch
Wissenschaftliches Konzept Bodo Anke
Ausstellungsgestaltung Wolfgang Leitmeyer
Ausstellungsdidaktik Lars Börner
Ausstellungskoordination Heike Externbrink, Melanie Herget
Junges Museum,
Ausstellungsgestaltung Almut Neef
Begleitprogramm für Schulen
Cathérine Biasini, Almut Neef, Franziska Hageloch
Medien- und Sabine Karle-Coen (Leitung), Telefon 06232 13 25 14
Öffentlichkeitsarbeit Katja Jewski, Ursula Rubenbauer, Telefon 06232 13 25 613
Franziska Keller, Telefon 06232 13 25 761
kommunikation@museum.speyer.de
Netzwerkadministration
und Medientechnik Dieter Becker
Restauratorische Betreuung Martin Spies (Leitung), Lucius Alsen, Anja Schäfer, Sigrun Thiel
Transport und Logistik Lucius Alsen
Fotografie Peter Haag-Kirchner
Multivision k.AT – KulturProjekte Arne Trautmann, Römerberg
Ausstellungsbau Holz + Design, Birkenfeld
Künstlerische Gestaltung
der Skulpturen Beat Künzler, Schaffhausen, Claudia Girard, Neunkirch
Wagenrekonstruktionen Wolfgang Linke, Diessen am Ammersee
3-D-Animation Radu Cotorabai, Berlin
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Kleidungs- und
Ausrüstungsrekonstruktionen Via Appia Feuerstein, Speyer
David Kellenberger, Basel
Kai Hobein, Holzerode
Art of Costumes, Sandhausen
Jurte, Landschaftsfotos People and Nature e.V., Stephan Dömpke, Berlin
Multimedia OpenGames.tv, Bobenheim Roxheim
Kommunikationsprodukte pozzi 7, Mannheim
Beschriftungen Eickhoff Grafik & Design, Speyer
Malerarbeiten Leo Fischer, Römerberg
Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr
An Heiligabend, 24. Dezember 2007 und Silvester, 31. Dezember
2007 ist das Museum von 10 bis 15 Uhr geöffnet.
Eintritt Regulär: 10 €, ermäßigt: 7 €
Schulklassen und
Kindergartengruppen pro Person 3 €
Besucherservice
und Führungen Colette Neufurth (Leitung), Heike Eberhard, Monika Masala
Telefon 06232 62 02 22
Telefax 06232 62 02 23
E-Mail info@museum.speyer.de |