Während in Shanghai nicht weit vom Ufer des Huangpu auf 6.000 Quadratmeter der Deutsche Pavillon entsteht, wurde in Stuttgart einer außergewöhnliche technische Leistung vollendet: Die KUGEL ist das Herzstück von balancity, dem deutschen Beitrag zur EXPO 2010. balancity, so der Name des Pavillons, ist ein Kunstwort aus „balance“ und „city“. Er nimmt das Motto der Weltausstellung „Better City, better Life“ auf, unter dem sich die chinesischen Veranstalter gemeinsam mit Teilnehmern aus über 190 Ländern der Urbanisierung des 21. Jahrhunderts widmen. Die tonnenschwere High-Tech-KUGEL ist das Highlight der
„Energiezentrale“ die der Besucher am Ende seines Weges durch den Pavillon
erreicht. Ein geheimnisvolles Glitzern erfüllt den großen kegelförmigen Raum,
er ist von intensivem farbigem Licht durchflutet, das sich im Lauf einer
zehnminütigen Live-Show fortwährend verändert. Von drei kreisförmigen
Galerien blicken die Besucher auf das zentrale Element: die KUGEL. Sie hängt
wie ein Pendel in der Mitte des Raumes und hat einen Durchmesser von drei
Metern. Auf ihrer Oberfläche, die mit fast 400.000 LEDs besetzt ist, entstehen
immer neue Farben, Formen und Bilder.
Impulse aus Deutschland auf 400.000 LEDs„Die Kugel wird zum Auslöser von Impulsen aus Deutschland für die EXPO
2010 – Ideen, die Deutschland zum Thema ‚Better City – Better Life’
beisteuern möchte“, erklärt Kreativdirektor Peter Redlin von der Agentur Milla
und Partner seine Idee der Energiezentrale. Die Experten für Kommunikation
im Raum sind gemeinsam mit den Architekten von Schmidhuber + Kaindl
und den Bauingenieuren von NÜSSLI (Deutschland) für das Konzept von
balancity und seine Umsetzung verantwortlich.
Mit einem Zusammenspiel von Anregung, Schwerkraft und Massenträgheit
macht sich die Antriebstechnik der Kugel die physikalischen Gesetze eines
Pendels zu Nutze. Der hierfür speziell vom Institut für Technische und
Numerische Mechanik und weiteren Instituten der Universität Stuttgart in
Zusammenarbeit mit Milla und Partner entwickelte Antrieb kann trotz
kleinster Bewegungen am oberen Fußpunkt der Haltestange die etwa 1,2
Tonnen schwere Kugel in Schwingung versetzen. Das Antriebskonzept sorgt
dafür, dass das Pendel zuverlässig in die gewünschte Bewegung versetzt und
wieder sicher abgebremst wird. Aufgrund der kurzen Entwicklungszeit von nur
knapp eineinhalb Jahren musste der gesamte Entwicklungsprozess
simulationsgestützt ablaufen.
Über eine akustikbasierte interaktive Steuerung in der Deckenaufhängung
können die Besucher von balancity die Richtung des Pendelausschlags selbst
beeinflussen. Allerdings: Erst wenn alle zusammenarbeiten und ihre Kräfte
bündeln, werden sie das Pendel zum Schwingen bringen.

Yanyan und Jens zeigen ihre Welt„Die Bewegung der Kugel und damit die Impulse werden durch die Besucher
selbst ausgelöst, angeleitet von Yanyan und Jens. In virtueller Form haben die
beiden sympathischen Protagonisten des Pavillons die Besucher schon auf
ihrer gesamten Reise durch balancity begleitet. Nun treten sie leibhaftig auf“,
so Redlin weiter. Jens, ein Maschinenbau-Student, hat Yanyan bei seinem
Studienaufenthalt in China kennen gelernt, so die fiktive Geschichte der
beiden. Yanyan, die chinesische Architekturstudentin, kommt nun nach
Deutschland zu Besuch, wo ihr Jens sein Leben, seine Stadt, sein Land zeigt.
„Beide sind neugierig, offen und gespannt auf die Welt des jeweils anderen.
Das ist für uns einfach ein sehr schönes Stilmittel, um die unterschiedlichen
Kulturen abzubilden“, erläutert Peter Redlin die Bedeutung der Protagonisten.
Jens und Yanyan bewegen sich im kegelförmigen Bau der Energiezentrale auf
der Höhe des zweiten Ranges. Ganz nah am Besucher umkreisen sie die Kugel
auf einem Skateboard ähnlichen mobilen Untersatz und sprechen die
Besucher direkt an. „Am wichtigsten wird es sein, dass die Pavillon-Besucher
verstehen: Die Kugel kann tatsächlich von ihnen selbst bewegt werden, es
handelt sich also nicht um einen Trick“, sagt Peter Redlin zur Choreographie
und Dramaturgie der Live-Show. Angeregt durch die Protagonisten werden
sie feststellen, dass die Kugel durch lautes Rufen hin- und her zu pendeln beginnt. Je kraftvoller diese Pendelbewegung wird, desto intensiver ist die
Energie im Raum zu spüren. Denn die Veränderungen der Kugel spiegeln sich
im ganzen Raum wider - auf den Wänden, an der Decke, auf dem Boden. Die
von den Besuchern ausgelöste Bewegung gewinnt an Fahrt und geht in eine
Kreisbewegung über. Bilder aus Deutschland und aus balancity fliegen vor
den Augen der Menschen vorbei. Dann schwingt die Kugel aus. Aufgeladen
mit einer Vielzahl von Bildern verlassen die Besucher die Energiezentrale.
balancity - Stadt im Gleichgewicht„Für Deutschland ist es die größte EXPO-Beteiligung aller Zeiten, und wir
wollen den in erster Linie chinesischen Besuchern ein attraktives Konzept,
etwas ganz Besonderes bieten. Das wird uns mit der Show in der
Energiezentrale und dem interaktiven Pendel gelingen“, so Dietmar Schmitz.
Als Generalkommissar ist der Leiter des Referats für Messepolitik und EXPOBeteiligungen
im Bundeswirtschaftsministerium für den Deutschen Pavillon
auf der EXPO 2010 verantwortlich.
Über sieben Millionen Menschen werden den Pavillon in den 184 Tagen der
EXPO besuchen. Die Botschaft der deutschen Beteiligung lautet: Eine Stadt
ist dann lebenswert, wenn sich die Dinge im Gleichgewicht befinden – Altes
und Modernes, Arbeit und Freizeit, Natur und Technik, Individuelles und
Gemeinschaft. In der Energiezentrale entsteht die Kraft, die eine Stadt zum
Leben braucht.
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