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Besuch im Land der Pharaonen
von Wolfgang M. A. Bessel
Bisher scheiterte die Reise am Unbehagen meiner Frau, in ein „so politisch unsicheres Land“ zu fliegen – nach Ägypten. Letztendlich konnte ich ihre Bedenken mit dem Argument entkräften, dass wir nirgendwo auf der Welt so gut vor Anschlägen geschützt würden wie eben dort. Hier sorge nämlich u. a. noch eine spezielle Touristenpolizei für die Sicherheit der Urlauber. Außerdem ließ ich anklingen, die Reise auch allein zu unternehmen, wenn sie ...
Wir wollten in 9 Tagen Kairo und die Pyramiden besichtigen, natürlich auch die Tempel von Luxor und Abu Simbel sowie das Tal der Könige. Eine Nilkreuzfahrt von Luxor bis Assuan sollte auch nicht fehlen, weil wir unbedingt die vielgepriesene Schönheit des Niltals betrachten wollten. Anschließend waren 5 Tage Schnorcheln und Relaxen am Roten Meer angesagt.
Klar, dass vierzehn Tage Ägypten nur eine Schnuppertour sein konnte. Ägyptologen und Archäologen konnten wir in dieser Zeit nicht werden. Der Dezember ist für Besichtigungen wegen der angenehmen Temperaturen von etwa 25 Grad Celsius eine gute Zeit. In nur vier Stunden düsten wir von Düsseldorf nach Kairo. Die Uhr stellten wir wegen der Zeitverschiebung eine Stunde vor.
Nach fast zweistündigem Bustransfer vom Kairo-Airport durch die Metropole des Nahen Ostens mit seinen ca.18 Millionen Einwohnern und einem chaotischen Verkehr, lagen die Nerven schon fast blank. Die Hupe ersetzt in Kairo ganz offensichtlich die Straßenverkehrsordnung! Man muss sich zur Hauptverkehrszeit eine vierspurige Bundesstraße vorstellen, über die ein Hirte ganz selbstverständlich so an die 30 Ziegen von einer Straßenseite zur anderen führt. Dazu gesellten sich Eselskarren der Obsthändler und unzählige Pferdedroschken! Das permanente Hupkonzert tönt noch heute in meinen Ohren.
Kairo war bei Sonnenaufgang noch nicht mit der täglichen Dunstglocke überzogen, so dass wir vom Hotel „Le Meridien Pyramids“, im Stadtteil Gizeh, von weitem die Spitzen der drei großen Pyramiden erblicken konnten. Wie oft habe ich davon geträumt, einmal direkt vor den Pyramiden zu stehen! Jetzt war es endlich soweit.
Mit einer kleinen Reisegruppe bestaunten wir vormittags bei herrlichem Sonnenschein die 137 Meter hohe Cheopspyramide – gebaut aus über zwei Millionen Granitsteinblöcken von je etwa zweieinhalb Tonnen. Gegenüber stand die mächtige Chephrenpyramide. Sie wies noch in der Spitze die weißen, glatten Kalksteinplatten auf, die einst alle drei Königsgräber, also auch die des Mykerinos zierten. Diese hellen Mantelblöcke aus Kalkstein, die alle Pyramiden schmückten, wurden im ägyptischen Mittelalter leider als Baumaterial für Kairos Häuser verwendet. Nur die Pyramiden, eines von sieben Weltwundern der Antike, haben Erdbeben, Kriege und Witterungseinflüsse 4500 Jahre überdauert. Ihr Anblick flößt noch heute Ehrfurcht und Demut ein.
U n s e r e Vorfahren stapften zu Zeiten der Pharaonen noch mit Fellen bedeckt und Keulen schwingend durch die Wälder!
Natürlich musste ich wenigstens in e i n e der Grabkammern hinabsteigen. Es war die des Chephren. Der Weg zum Granitsarkophag des Pharaos war beschwerlich. Mit oft tief gebeugtem Rücken und bei erstickend warmer Luft schaffte ich den beklemmenden Weg soeben noch. Ich war heilfroh, als ich draußen wieder Sauerstoff schnappen durfte. Die meisten touristischen „Archäologen“ kehrten bereits auf halben Weg um.
Der Wächter der Pyramiden, ein aus Fels gehauener 20 Meter hoher und 73 langer Körper eines liegenden Löwen mit Männerkopf (wahrscheinlich das Antlitz des Pharao Chephren) – die (auch „der“) Sphinx – bleibt vor der gewaltigen Kulisse der Pyramiden unvergesslich.
Das Nationalmuseum in Kairo ist ein absolutes Muss. Es gehört mit mehr als 100.000 Ausstellungsstücken altägyptischer Kunst zu den Höhepunkten einer jeden Ägyptenreise. Die Zeit von vier Stunden reichte aber bei weitem nicht aus, um auch nur annähernd alle bedeutenden Exponate zu sehen. Der Besuch des Museums war allerdings eine hervorragende Einführung in die Geschichte dieser einzigartigen und geheimnisvollen 5000 Jahre alten Kultur. Wenn man bedenkt, dass angeblich noch etwa 90% der alten Kulturdenkmäler vom Wüstensand bedeckt sein sollen, wird es für die nächsten Archäologen-Generationen noch so manche tolle Überraschung geben. Man muss sich einmal das Glücksgefühl der Archäologen vorstellen, die nach 30 Jahren Grabungsarbeit plötzlich das Grab des Tutenchamun entdeckten! Der hier ausgestellte vollständige Grabschatz des Tutenchamun (erst 1922 durch Howard Carter und Lord Carnavon entdeckt) der goldene Sarkophag, die wundervoll gearbeitete goldene Totenmaske, Schmuck, verzierte Schreine und viele andere kostbare Grabbeilagen lassen den Betrachter nicht ungerührt. Auch der Mumiensaal mit 27 Pharaonen, u. a. mit Ramses II. haftet für immer im Gedächtnis.
Napoleon Bonaparte kam als Besatzer (1798-1801) mit 187 Wissenschaftlern nach Ägypten und hat enorme Pionierarbeit zur Entdeckung und Erforschung der Monumente und Gräber geleistet. 1822 lüftete ebenfalls ein Franzose (Champillon) durch den "Stein von Rosette" das Geheimnis der Hieroglyphen. Er verglich auf diesem Stein drei gleichlautende eingemeißelte Texte in Hieroglyphen, Griechisch und Demotisch und fand die Lösung. Eine Kopie des Steins ist im Museum ausgestellt.
Ein gelungener Abschied von Kairo war eine Licht- und Tonschau. Die Sphinx und vier Pyramiden wurden mit Lasereffekten bestrahlt und in bunte Farben getaucht. Die synchrone Darstellung in deutscher Sprache versetzte uns mit ein wenig Fantasie in die Zeit der Pharaonen.
Am nächsten Tag flogen wir von Kairo nach Luxor. Hier erwartete uns das Nilkreuzfahrtschiff „MS King of Egypt“, das uns das Niltal Oberägyptens bis Assuan offenbaren sollte. Die zu besichtigenden Tempelanlagen befinden sich meist nicht weit von den Ufern des Nils entfernt.
Die Furcht, auf dem Nildampfer von der Rache der Pharaonen erwischt zu werden, wurde den meisten Passagiern am ersten Abend bereits genommen. Die Reiseleitung verkündete, dass zum Waschen der Salate und zum Spülen nur Mineralwasser verwendet würde. Trotzdem, ich traute der Sache aus leidlicher Erfahrung in Afrika nicht und hielt mich, im Gegensatz zu meiner Frau, von den köstlichen offenen Früchten, Salaten und Süßspeisen fern. Auf dem Schiff herrschte eine lockere Atmosphäre und legere Kleiderordnung. Von der Organisation, den Kabinen, der Küche bis hin zum immer fröhlichen und geschulten Personal, war nichts zu beanstanden. Doch! Leider war bei einer Nachtfahrt an Schlaf nicht zu denken, weil wir glaubten, die Motoren wären selbst im Oberdeck direkt unter dem Bett installiert worden. Sie grollten unvorstellbar laut, und die Kabinenwände vibrierten die ganze Nacht.
Morgens erreichte das Schiff Edfu. Dort besichtigten wir noch ein wenig müde den Horustempel. Ein großer Pylon (Toranlage vor dem Tempel) mit gut erhaltenen Reliefs empfängt den Besucher, und ein riesiger Granitfalke im Säulenhof erinnert an den Sonnengott Horus, der mit Falkenkopf dargestellt wird.
Weiter führte die Fahrt vorbei an fruchtbaren Niloasen und Flusslandschaften zum Doppeltempel von Kom Ombo, der dem Krokodilgott Sobek und dem Horus geweiht sind. Hier in Kom Ombo paarten sich vor Beginn der touristischen Nilschifffahrt noch hunderte von Krokodilen. Sie wurden seinerzeit teilweise wie Heilige verehrt und sind dort heute noch mumifiziert zu betrachten. Am nächsten Tag besichtigten wir den Philae Tempel; er war der beliebtesten ägyptischen Göttin – der Isis – geweiht. Sie wurde bei den Ägyptern als Göttin der Liebe verehrt. Dieser Tempel wurde von Architekten und Archäologen im Zuge des Hochdammbaus von Assuan vor der Überflutung gerettet und auf der heute als Neu-Philae bekannten Insel wieder errichtet. Weiter ging die Fahrt über die 3,6 km lange Dammkrone des Assuan Staudamms. Nach den Besichtigungen der Tempel und Pyramiden war der gewaltige Anblick dieses modernen Dammkolosses eine willkommene Abwechselung. Die Dicke der Basis im Flussbett des Nils beträgt 980 Meter. Mit dem Baumaterial hätte Cheops 17 Pyramiden bauen lassen können. Der Damm staut den annähernd 500 Kilometer langen und durchschnittlich etwa 10 Kilometer breiten Nasser-See, der sich weit bis in den Sudan erstreckt. Der Damm ermöglicht den Bauern heute drei Ernten und schützt sie vor Überschwemmungen ihrer Felder. Darüber hinaus beliefern die Staudammturbinen ganz Ägypten und Teile des Sudans mit Strom.
Ein Bummel über die schrillen Basare, der Besuch eines der zahlreichen Kaffeehäuser und das Rauchen einer Wasserpfeife gehören einfach zu einer Orientreise. Auch der Geruchsinn wird hier stark angeregt. Der Hauch von Weihrauch, Kardamon und Koriander vermischt sich in fast jedem Basar mit dem Geruch von gebratenem Hammelfleisch. Heute lernte meine Frau in Assuan das Handeln nach orientalischer Manier. Den Kampf um den Preis eines Wollschals focht sie aus, bis „Blut“ kam.
Am nächsten Morgen hieß es um 3.00 Uhr Aufstehen, um 4.00 Uhr Abfahrt. Im Buskonvoi von etwa 100 Bussen ging es nach Abu Simbel. Die regelmäßig verkehrenden Konvois werden von schwerbewaffneten Polizeikräften geschützt. Während der dreistündigen Fahrt wurden alle Haupt- und Nebenstraßen extra für den Konvoi gesperrt. Wachposten waren allgegenwärtig.
Um auch die Tempel und die Kolossalstatuen von Pharao Ramses II. und seiner Gemahlin Nefertari vor den Fluten des Stausees zu retten, zersägte man unter Schirmherrschaft der UNESCO von 1964-1968 die gewaltigen Skulpturen, Säulen und Tempelstücke in tausende von Einzelteilen und errichtete die Bauwerke 65 Meter höher und 210 Meter weiter landeinwärts. Eine gewaltige Leistung der Ingenieure und Archäologen!
Erst 1813 wurde die im Sand verschüttete Tempelanlage wiederentdeckt. Alle vier 20 Meter hohen Kolosse an der Fassade des Tempels stellen Ramses II. dar. Er ließ sich hier als Sonnengott mit Blick auf die aufgehende Sonne verewigen. Sein gewaltiger Kopf trägt ein Kopftuch, die Uräusschlange (Kobra) auf der Stirn die Doppelkrone von Unter- und Oberägypten sowie den künstlichen Bart. Im Inneren der Tempel steht die Säulenhalle mit Reliefen des Pharaos im Schlachtgewühl. Etliche Kartuschen (Hieroglyphenoval) mit dem Namen des Pharaos, Wände mit Hieroglyphen und Wandbildern begegneten uns in beiden Tempeln.
Mit dem Schiff ging es weiter nach Luxor. Diese Stadt lebt vom Tourismus. Mit ihren einmaligen Tempeln, den Basaren, Moscheen, lästigen Straßenhändlern, internationalen Hotels, Menschen aus aller Welt, modernen Geschäften und Geschäftsgebäuden, Pferdedroschken und der meilenlangen Schiffsanlagestelle für Nilkreuzfahrtschiffe, verströmt sie eine internationale Atmosphäre mit orientalischem Anstrich.
Am Nachmittag brachte uns der Bus zunächst zum Luxor-Tempel, der dem Gott Amum gewidmet war. Er wurde von Amenophis III. um 1350 v. Chr. gebaut. Ramses II. gestaltete hundert Jahre später den Tempel zu seinem Ruhm um. Der Säulensaal mit 32 Säulen beeindruckt. Einer der zwei 23 Meter hohen und 250 Tonnen schweren Obelisken ist ein Granit- Monolith aus dem 13. Jahrhundert v. Chr. und war das Geschenk vom ägyptischen König Mehmet Ali an König Lous Philippe. Er zierte ursprünglich die Tempeltoranlage und ist heute auf dem Place de la Concorde in Paris zu sehen.
Der nächste Tag führte nach Theben West zur Besichtigung des Tals der Könige, der Memnon Kolosse und des Terrassentempels der Königin Hatschepsut. Das Tal der Könige, in den Felsentälern der Wüste, war einer der Höhepunkte unserer Reise. Bisher zählt man hier siebzig Gräber, und die Ausgrabungsarbeiten sind noch lange nicht abgeschlossen. Hier wurden die Pharaonen und hohen Beamte im tiefen Inneren der Berge beigesetzt und die Eingänge für die Ewigkeit versiegelt. Trotzdem gelang und gelingt es heute immer noch Grabräubern, in die Grabkammern einzudringen und sie zu plündern. Die wertvollen Schätze werden dann weltweit an vermögende Sammler verscherbelt. Die trockene Wüstenluft hat die bunten Zeichnungen an Decken und Wänden gut erhalten. Sie stellen Rituale und Alltagsszenen aus dem Leben des jeweiligen Königs dar. Leider konnten wir aus zeitlichen Gründen nur drei Pharaonengräber bestaunen.
Die zwei Memnonkolosse bewachten einst den Totentempel des Pharaos Amenophis III. Sie stehen heute ein wenig verlassen zwischen Straßenrand und Getreidefeldern. Sie wiesen aber im 19. Jh. französische Archäologen als einzige sichtbare Denkmäler den Weg zu den Tempeln und Gräbern im Tal der Könige. Wie beispielsweise auf den Tempel der selbsternannten Pharaonin Hatschepsut. Er war der kuhköpfigen Himmelsgöttin Hathor geweiht. Er beeindruckt durch drei in den Felsenhügel gebaute säulengeschmückte Terrassen, die bis zum Allerheiligsten führten.
Am letzten Besichtigungstag steuerten wir die riesige Tempelanlage von Karnak an. Eine Sphinxallee (Sphinxe mit Widderköpfen), die noch auf einer Länge von ca. 3 Kilometern ausgegraben werden soll, führte zum Haupteingang dieser großartigsten aller bisher entdeckten Heiligtümer. Bei den Prozessionen für den Gott Amum, wurde seine Statue auf einer Heiligen Barke vom Nil her über diese Allee getragen. Eine Dynastie (von insgesamt 30) nach der anderen hat die Kultstätte ständig erweitert. Der Säulensaal mit 134 in 16 Reihen angeordneten Riesensäulen zeigt u. a. Sethos I. und seinen Sohn Ramses II. beim Opfer und in der Schlacht. Außerhalb des Tempels befindet sich der Heilige See, auf dem man den Göttern in Booten huldigte.
Nach dem anstrengenden Besichtigungsteil dieser Reise, freuten wir uns darauf, endlich in das warme Wasser des Roten Meeres springen zu dürfen. Es kam nämlich der Punkt, dass wir keine „alten Steine“ mehr sehen mochten und auch keine weiteren Götter und Pharaonen verkraften konnten. Vergebt uns, ihr Götter! Morgens brachte uns ein Buskonvoi zu unserer Hotelanlage in der Makadi Bay. Sie liegt etwa 30 Kilometer von Hurghada entfernt. Was hier an erstklassigen Hotelanlagen in die Wüste gestellt wurde, lässt erstaunen. Die meist im nubischen Stil errichteten Anlagen und elegant gestalteten Gartenbereiche brauchen keinen Vergleich mit exquisiten Hotels an westlichen und östlichen Mittelmeerküsten zu scheuen. Schnorchelausflüge zu den bunten Korallenbänken mit ihren unzähligen tropischen Fischen waren ein herrliches Erlebnis. Aber Achtung! Erkältungsgefahr droht. Eine stets frische Brise kühlt den Körper sehr rasch aus.
Im hoteleigenen Wellnessbereich gönnten wir uns am letzten Urlaubstag eine indische Massage, die Körper, Geist und Seele ansprechen sollte. Das tat sie wirklich! Bei leiser indischer Hintergrundmusik döste ich unter einer Ganzkörper-Maske ein und träumte von Pyramiden, Tempeln, und Goldschätzen. Nach der Massage fühlte ich mich wie Gott in Frankr..., Verzeihung – wie ein Pharao in Ägypten.
 Besuch im Land der Pharaonen |
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Chaotischer Verkehr: Esel gehören zum alltäglichen Straßenbild der 18 Millionen Einwohner zählenden Metropole am Nil. |
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Ausblick vom Assuan-Staudamm auf den Nassersee. Nach den Besichtigungen der Tempel und Pyramiden war der gewaltige Anblick dieses modernen Dammkolosses eine willkommene Abwechselung. | zurück weiterer Bericht von Wolfgang Bessel Alle Fotos und Text Copyright - Wolfgang Bessel. |