Zeit ist kostbar: Fast jeder würde gerne mehr als 24 Stunden am Tag zur
Verfügung haben. Deshalb sollten wir die Zeit, die wir haben, gut
nutzen, um berufliche und persönliche Ziele zu erreichen. Ob man diese
Aufgaben auf gesunde Weise und mit großer Lebensqualität erledigt, oder
auf ungesunde Weise und unter Stress, hat viel damit zu tun, wie man
mit Zeit umgeht.
Um seine Zeit in Zukunft besser einteilen und
nutzen zu können, sollte man vorher wissen, welcher Zeittyp man ist. Im
Folgenden werden vier Zeittypen kurz charakterisiert: der
Perfektionist, der Überlebenskünstler, der Hektiker und der Hilflose.
Mehr als 24 Jahre seines Lebens (ver)schläft der Durchschnittsdeutsche.
Rund sieben Jahre verbringt er damit, seinen Lebensunterhalt zu
verdienen. Fünfeinhalb Jahre lang sehen wir fern und fünf weitere Jahre
lang machen wir nichts anderes als Essen. Zweieinhalb Jahre sitzen wir
im Auto (davon stehen wir allerdings sechs Monate im Stau). Deutlich
weniger Zeit verbringen wir mit unseren Kindern – gerade mal neun
Monate unseres Lebens spielen wir mit ihnen. Dieselbe Zeit investieren
wir auch in das Waschen und Bügeln oder den Weg zur Arbeit. Übrigens
nehmen wir uns beim Sex fast acht Wochen fürs Vorspiel Zeit. Fürs
Küssen bleiben leider nur noch zwei Wochen übrig – und unsere sexuellen
Höhepunkte machen nur schlappe 16 Stunden aus.
Eines der geheimnisvollsten menschlichen Phänomene ist die innere Uhr.
Sie strukturiert unser Leben auch ohne Licht und andere Einflüsse. In
jedem Menschen ticken Billionen winziger Zeitmesser. Jede Körperzelle
soll – davon gehen Wissenschaftler aus – über einen solchen verfügen.
Alle diese winzigen Zeitmesser werden über ein Regelzentrum im Gehirn
gesteuert. Es befindet sich direkt hinter dem Nasenrücken. Das
Regelzentrum ist mit der Augennetzhaut verbunden, die das Licht in
unserer Umgebung misst. Auf diese Weise wird der Rhythmus der Außenwelt
mit unserer inneren Uhr in Einklang gebracht. Die innere Uhr steuert alle tageszeitlichen Vorgänge, die Ausschüttung von Hormonen und das Schlaf- und Wachverhalten.
Die Zeittypen:
1. Der Perfektionist:
Er
plant viel mehr als andere und will alles unter Kontrolle haben.
Delegieren ist für ihn ein Fremdwort. Chaos und Hektik treten bei ihm
selten auf. Seine Leistung ist eher gering.
Tipps: Weniger ist mehr: Wer zu viel plant, hat zu wenig Zeit zur Umsetzung. Konzentration auf die Ergebnisse, nicht auf die Perfektion bei der Erledigung Bei allen Erledigungen ein Zeitlimit setzen Realistische Ziele setzen Menschliche Belange Zeitplänen und Richtlinien vorziehen Einfach mal loslassen Nicht zu viel von sich und anderen erwarten
2. Der Überlebenskünstler:
Er
plant wenig, ist großzügig bei seiner Arbeit, delegiert gerne und
erledigt kaum etwas selbst. Eigentlich ist er recht zufrieden, hat
wenig Stress, kaum Hektik und viel Zeit zum Leben. Beruflich bleibt er
aber oft ein „looser“.
Tipps: Durch Zeitpläne Struktur in den Alltag bringen Alles schriftlich erledigen – konkrete Zeitfenster setzen Flüchtige Unterbrechungen dürfen kein Anlass für Träumereien werden Zeit für Privates begrenzen Verpflichtungen und Verantwortung übernehmen Unangenehmes sofort erledigen
3. Der Hektiker:
Er
ist flexibel, plant kaum und erledigt alles in letzter Minute. Er
arbeitet mehr als andere und gibt keine Arbeit ab. Sein größtes Problem
ist die Selbstdisziplin.
Tipps: Lebensprioritäten und Visionen zu Papier bringen Geduld! Termine mit zeitlichem Vorlauf machen Andere nicht mit zu vielen Terminen überschütten Alles einen Gang langsamer machen Listen mit Aufgaben der Reihe nach abarbeiten Nur dringende Dinge erledigen Zeit nehmen für Muße und Entspannung
4. Der Hilflose:
Er ist pflichtbewusst und will es jedem Recht machen. Er fühlt sich ständig unter Druck und hat Angst, Fehler zu machen.
Tipps: Dinge selbst in die Hand nehmen Nach neuen Wegen suchen, statt an Altbewährtem festzuhalten Zwischenmenschliche Probleme nicht aufschieben Ergebnisse vor Augen halten Veränderungen können das Leben bereichern Sich mehr zutrauen Nein sagen lernen
Wie wir Zeit erleben
Doch allen Zahlen zum Trotz: Im
Nachhinein erinnern wir uns oft eher an die kurzen schönen Stunden und
nicht etwa daran, wie lange wir im Stau gestanden sind. Das liegt
daran, dass wir Zeit ganz unterschiedlich empfinden.
Ein paar Beispiele:
Ältere
Menschen erleben die ersten 18 Jahre ihres Lebens als genauso lang wie
den Rest ihres Lebens. Egal ob die Befragten 60, 70 oder 80 Jahre alt
sind. Kinder haben noch gar kein Zeitempfinden. Sie leben ganz im
Hier und Jetzt und können sich Zeit höchstens vorstellen, indem man
ihnen sagt: „Bis Weihnachten musst du noch drei Mal schlafen.“ Bei Suchtpatienten im Entzug verlangsamt sich das Zeitempfinden um bis zu 50 Prozent. In
der Wahrnehmung eines Rauchers, der eine Rauchpause von 24 Stunden
einlegt, verlängern sich 45 Sekunden auf eine Minute. Die verschobene
Zeitwahrnehmung könnte auch ein Grund sein, weshalb sich abstinente
Raucher besonders gestresst und nervös fühlen.
Wann was tun?
06:30 Uhr: Beginn der Aufwachphase. Die
innere Uhr tickt bei jedem Menschen anders. Beim Erwachen steigt die
Körpertemperatur und die Konzentration an Sexualhormonen. Darum haben
viele Menschen schon am Morgen Lust auf ein inniges Beisammensein. Gegen
die Müdigkeit am frühen Morgen hilft viel Licht im Schlafzimmer. Die
Helligkeit aktiviert Hormone, die den Körper in Schwung bringen.
07:30 Uhr:
Der Körper braucht jetzt Nährstoffe. Ein Frühstück ist jetzt das Beste.
Zugeführte Kalorien werden nicht in Fett, sondern in Energie umgesetzt.
Gegen 8:00 Uhr ist es günstig, sich zu rasieren, weil das Blut um diese Uhrzeit am besten gerinnt.
Nach
der morgendlichen Aufwachphase gehen Körper und Geist in den
Wachbetrieb über. Puls und Blutdruck steigen stark, was allerdings für
Menschen mit Herz- und Kreislaufproblemen gefährlich werden kann.
Zwischen 09:00 und 10:00 Uhr passieren die meisten Herzinfarkte.
Um 10:00 Uhr ist das Kurzzeitgedächtnis in Höchstform. Die beste Zeit also, um auf Prüfungen zu lernen.
Um 11:00 Uhr
hat der Mensch die besten Ideen. Jetzt ist also die perfekte Zeit, um
komplexe Probleme zu lösen und anstrengende Gespräche zu führen.
Vier
bis fünf Stunden nach dem Frühstück steigt das Hungerhormon Ghrelin
rapide. Körperlich und geistig sinkt die Leistungsfähigkeit. Sämtliche
Körperfunktionen werden von der Verdauung bestimmt.
Zwischen 13:00 und 14:00 Uhr
haben wir unser Mittagstief. Der Kreislauf wird instabiler und wir
machen häufiger Fehler. Der Körper schüttet das Schlafhormon Melatonin
aus. Ein kurzes Nickerchen in der Tagesmitte steigert die Produktivität
am Nachmittag.
15:00 Uhr: Die nächsten Stunden sind
besonders geeignet für körperliche Arbeit. Die Lungenaktivität, die
Muskelkraft und die mentale Leistungsfähigkeit erreichen Spitzenwerte.
Der
frühe Nachmittag ist auch ein günstiger Zeitpunkt für schmerzhafte
Behandlungen. Betäubungsmittel wirken besser und das Immunsystem ist
besonders stark. Ärzte vermuten, dass Schutzimpfungen am Nachmittag
ihre größte Wirkung haben.
17:00 Uhr: Unser Körper geht
langsam wieder in die Ruhephase über. Ein guter Moment für die
Körperpflege. Zwischen 16:00 und 18:00 Uhr wachsen Nägel und Haare am
besten nach.
Am späten Nachmittag können wir besonders gut Gefühle zeigen. Ein
gesteigertes Hitzeempfinden der Haut lässt vermuten, dass die Sinne nun
besonders gut auf Reize ansprechen. Die Koordinationsfähigkeit unserer
Körperbewegungen ist um diese Zeit besonders ausgeprägt.
19:00 Uhr
– Zeit fürs Abendessen. Der Organismus verlangt nach neuer Energie.
Jetzt ist auch genau die richtige Zeit, um ein kühles Bier zu trinken.
Ab 19 Uhr baut die Leber den Alkohol besonders gut ab.
Pünktlich zu den Nachrichten sind wir noch einmal hellwach. Jetzt
verdaut der Organismus effektiv und baut Muskeln auf. Der Bizepszuwachs
durch Bodybuilding ist am späten Abend besonders groß.
Ab 20:30 Uhr
ist für Magen und Darm Ruhe angesagt. Wer jetzt noch isst, nimmt
schnell zu und kann schlecht einschlafen, denn der Körper kann die
Nahrung nicht mehr effektiv verdauen.
23:00 Uhr: Körper und Geist müssen zur Ruhe kommen. Wer jetzt noch einen Krimi liest, kann schlechter einschlafen. Dank
einer starken Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin und einer
deutlich spürbaren Temperaturabnahme schlafen die meisten Menschen
gegen 00:30 Uhr ein. Jetzt entstehen besonders viele Immunzellen,
und unsere Haut regeneriert sich über Nacht. In den ersten Schlafzyklen
sinkt der Körper in den Tiefschlaf und schüttet fast die gesamte Dosis
an Wachstumshormonen aus. In den späteren Zyklen häufen sich die
Traumschlafphasen, in denen das Tagesgeschehen verarbeitet wird.
Um 04:30 Uhr haben wir unseren absoluten Tiefpunkt. Wer jetzt arbeiten muss, macht viele Fehler. Statistisch gesehen sterben in dieser Zeit die meisten Menschen. Vorsicht auch beim Autofahren: Zwischen 02:00 und 05:00 Uhr morgens passieren die meisten Unfälle.
gez. B. Ru Quelle: Welt der Wunder |