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Home : onguruklaertauf : fotojournal : GESCHICHTE DES FOTOJOURNALISMUS

GESCHICHTE DES FOTOJOURNALISMUS

GESCHICHTE DES FOTOJOURNALISMUS

Das Aufmacherfoto von einer aktuellen Katastrophe in der Tageszeitung, der Schmollmund des Starlets auf der Fernsehillustrierten und die Fotokollage auf dem Politmagazin - Zeitungen leben heutzutage von Fotos. Da fällt es beinah schwer sich vorzustellen, dass es zunächst einige Jahrzehnte dauerte, bis sich das Pressefoto als vollwertiger Beitrag zur Berichterstattung etablieren konnte

Anfänge des Fotojournalismus
Als gegen Mitte des 19. Jahrhunderts die fotografische Technik beherrschbar geworden war, wuchs auch das Interesse der Zeitungen am neuen Medium. Allerdings war man damals noch nicht darauf erpicht, schonungslos die Realität abzubilden. Es kam eher darauf an, Personen und Ereignisse möglichst vorteilhaft darzustellen. Der Engländer Roger Fenton, einer der ersten Pressefotografen, fotografierte z.B. den Krimkrieg 1855 noch als eine Art Heldenepos. Erst der Amerikaner Mathew B. Brady dokumentierte 1861 den amerikanischen Bürgerkrieg auch von seiner schrecklichen Seite. Für die ersten Fotojournalisten war der neue Beruf kein leichtes Brot. Ihr Ruf war schlecht, denn noch wurden die Fotografen als Handlanger der Reporter angesehen. Außerdem gab es noch keine Blitzlichter, nur den Magnesiumpulverblitz. Der aber rauchte, stank und blendete. Die Gesichter auf den Fotos sahen ziemlich bleich und unvorteilhaft aus.

Erich Salomon
Der Jurist Erich Salomon (1886-1944) war einer der ersten, der diese neuartige Technik benutzte. Er erkannte, dass sich mit den kleinen Kameras relativ unbemerkt Fotos "schießen" lassen. So gelangen ihm einmalige Bilder von Prominenten. Als zum Beispiel 1930 die Siegermächte des Ersten Weltkriegs über den Fortgang der Reparationszahlungen verhandelten, schlich er sich heimlich in den Konferenzraum. Er fand die Politiker, die dort tagen sollten, schlafend in ihren Sesseln vor. Salomon ließ sich diese Gelegenheit nicht entgehen - er fotografierte sie. Das Foto ging um die Welt. Die "heimlichen" Einblicke, die seine Fotos verschafften, wurden zugleich auch zu seinem Markenzeichen. Bei ihm waren die Menschen hinter der großen Politik zu sehen. Erich Salomon wurde der erste Star seiner

Der Siegeszug der Bildillustrierten
Im Jahr 1936 erschien in New York eine neue Wochenzeitschrift: "Life". Das revolutionäre Konzept: nicht die Artikel, sondern die Bilder standen im Mittelpunkt. Nie zuvor waren Fotos so großformatig und mit so viel Sorgfalt in einer Zeitschrift publiziert worden. "Life" wurde zum Prototypen eines neues Magazinformats, das fortan weltweit kopiert wurde, und blieb 35 Jahre lang die unangefochtene "Nr.1" des Bildjournalismus. Deutsche Kopien waren zum Beispiel die Zeitschriften "Quick", "Stern" und "Bunte". Erklärtes Ziel von "Life" war es, die Welt mit allen Mitteln für den Leser erlebbar zu machen.
Fortan rissen sich die Fotografen darum, für "Life" zu arbeiten. Denn wer dort abgedruckt wurde, "hatte es geschafft". Die Stars des Kultblattes waren immer auf der Suche nach dem ultimativen Bild. Keine Situation war ihnen zu gefährlich, keine Idee zu absurd. "Wenn deine Bilder nicht gut sind, bist du nicht nah genug dran gewesen", war die Devise Robert Capas, einem der bekanntesten "Life"-Fotografen. Eines seiner berühmtesten und beeindruckendsten Bilder zeigt einen fallenden Soldaten im spanischen Bürgerkrieg – offensichtlich aus allernächster Nähe aufgenommen. Da sich nun herausgestellt hatte, dass man mit guten Bildern hohe Auflagen absetzen konnte, wollten endlich auch die Fotografen an den wachsenden Einnahmen teilhaben. Agenturen wurden gegründet, die sich bereit erklärten, die Fotografen besser zu bezahlen und die dafür dann das Geschäft mit den Magazinen abwickelten. Einige der "Life"-Stars misstrauten allerdings die neuen Zwischenhändler und hoben 1947 lieber ihre eigene Agentur aus der Taufe: die "Photokooperative Magnum".

Paparazzi und digitale Revolution
Die Geschichte des Fotojournalismus ist auch die Geschichte der Dokumentation von Gewalt, Leid und Tod. Die bekanntesten Bilder stammen aus diesen Themenbereichen. Auch hier gilt "bad news is good news". Die Jagd nach sensationellen Bildern war und ist ein teils grausamer Wettbewerb um die schnellsten, besten und sensationellsten Bilder. Nicht selten riskieren Fotografen ihr Leben, um das optimale Bild zu ergattern. Andere lauern tagelang auf den richtigen Moment. Die sogenannten Paparazzi sind die Fotojournalisten mit dem schlechtesten Ruf. Ähnlich wie der Pionier Salomon, aber weniger geschmackvoll, bieten ihre Bilder intimste Einblicke in das Leben von Prominenten. Sie gelten als "Abschaum" der Journalisten, werden von ihren Opfern oft vor Gericht gebracht, aber ihre Bilder erzielen absolute Höchstpreise. Denn nichts verkauft sich besser als das Leben der Schönen und Reichen. Die digitale Revolution ist auch am Fotojournalismus nicht spurlos vorüber gegangen. Bilder sind heute über das Internet schneller verfügbar denn je, Sensationen können blitzschnell weltweit verbreitet werden. Gleichzeitig hat die Digitalisierung des Fotos aber auch an seiner Glaubwürdigkeit gekratzt. Denn die Retouche-Möglichkeiten am Computer sind vielfältig. Blitzschnell und spurlos lassen sich zum Beispiel Gesichter austauschen oder zusätzliche Personen einsetzen. In den Medien selbst wurde viel darüber diskutiert, ob man einem Foto heute noch Glauben schenken kann. Fotografen und Blattmacher beteuern aber, dass sie nicht die Absicht haben, ihr Publikum mit gefälschten Fotos zu täuschen. Durch die öffentlich geführte Diskussion ist das Publikum aber auch für das Problem sensibilisiert worden. Niemand würde ein Foto, das den Bundeskanzler auf dem Mars zeigt, für bare Münze nehmen.

B.RU

Quelle.Planet Wissen